Biosphärenregion Rheingau-Main-Taunus?

Gestern im Sonnenschein auf dem Turm des Kellerskopfes fiel der Startschuss für eine Machbarkeitsstudie zu einer möglichen Biosphärenregion im Gebiet der Stadt Wiesbaden, des Rheingau-Taunus-Kreis und des Main-Taunus-Kreis unterstützt vom Land Hessen.

„Hessen hat mit dem „Biosphärenreservat Rhön“ an dem auch bayerische Landkreise beteiligt sind, bereits gute Erfahrungen“, erklärt die Umweltministerin Priska Hinz und ergänzt: „viele Leute besuchen die Rhön, übernachten dort, essen und trinken die nachhaltigen Rhön-Produkte aus dem Biosphärenreservat. Für die Rhön, die das schon lange macht, ist das sehr erfolgreich. Die Machbarkeitsstudie für die Region Rheingau-Main-Taunus oder Taunus-Rhein-Main ist aber ergebnisoffen und soll Vorteile aber auch Nachteile beleuchten.“

Der Platz für den Startschuss der Machbarkeitsstudie ist gut gewählt. Vom Aussichtsturm des Kellerkopfes, genau 20km nördlich von Hochheim, schaut man im Süden zur Stadt Wiesbaden, im Westen in den Rheingau-Taunus-Kreis und im Osten in den Main-Taunus-Kreis.

v.l: Frank Kilian, Priska Hinz, Madlen Overdick, Andreas Kowol

„Die Machbarkeitsstudie ist für die Region ein Superprojekt für die Gemeinsamkeit der Stadt Wiesbaden und der beiden Landkreise. Das ist auch eine Übung zur besseren Kooperation. Die Notwendigkeiten der gemeinsamen Abstimmung liegen auf der Hand. Wo heute jeder – ich sage es mal flappsig – so vor sich hin ‚brödelt’ kann man in Zukunft gemeinsam etwas für die nachhaltige Lebensqualität der Menschen in diesem schönen Natur- und Kulturraum tun. Es geht immer um die drei Themen: Mensch – Natur – Wirtschaft. Diese Fragen können nur gemeinsam gelöst werden, deswegen ist die Einbindung der Bevölkerung und aller Gremien von großer Bedeutung.“, sagte Priska Hinz, die gestern gemeinsam mit Madlen Overdick, Kreisbeigeordnete und Umweltdezernentin des Main-Taunus-Kreises, Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises und Andreas Kowol, Umweltdezernent der Stadt Wiesbaden gutgelaunt in luftiger Höhe den Beginn der Machbarkeitsstudie und dem dazugehörigen Diskussionsprozess eingeläutet haben.

„Eine Biosphärenregion ist nicht wie eine Käseglocke, wo darunter alles erhalten werden soll, da gäbe es keine Weiterentwicklung. Es geht um Weiterentwicklung aber naturverträglich.”, erklärt Hinz.

In Wien gibt es eine von der UNESCO anerkannten Biosphärenregion eine der ersten, die eine Großstadt miteinbezieht. Es ist der Biosphärenpark Wienerwald. Hier finden Sie mehr Informationen dazu: https://www.bpww.at/

Unsere Region Taunus-Rhein-Main oder Rheingau-Main-Taunus – „der Name soll ja erst noch in der Machbarkeitsstudie gefunden werden”, wie Madlen Overdick ergänzt, bietet ebenso wie der Wienerwald eine Vielfalt an Lebensräumen mit höchster naturschutzfachlicher Bedeutung: Unterschiedliche Klimatypen und Bodenformen vom Wasser über die Weinberge, zu den Streuobstwiesen und Feldern zum Wald ermöglichen eine hohe Biodiversität mit mehr als 5.000 Tier- und über 2.000 Pflanzenarten.

Das „Offenland“ mit seinen Streuobstwiesen, Weinbergen und Äckern, der Vielzahl an Landschaftselementen, wie Mauern, Hecken oder Böschungen, und das Gewässernetz mit dem europäischen Zentralstrom, dem mächtigen Rhein in seiner Ost-West Fließrichtung und dem Zufluss des Maines prägen unsere Region ebenso wie die ausgedehnten Taunuswälder die schon wieder Wildkatze und Luchs beherbergen. Die Erhaltung des Offenlandes ist von entscheidender Bedeutung. Sie ist nur durch die Aufrechterhaltung der regionalen, nachhaltigen Landwirtschaft möglich.

Die Verzahnung von Wald und Offenlandflächen, eine Fülle an Kulturschätzen wie z.B. die beiden UNESCO Welterbestätten „Oberes Mittelrheintal“ und der „Limes“ und nicht zuletzt die Freizeit-Infrastruktur machen den Rheingau-Main-Taunus zu einem traditionellen Erholungsgebiet. Es bedarf eines umfassenden Schutzkonzeptes für die Region, um die verschiedenen Nutzungsansprüche mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen. Zu den Nutzungsansprüchen zählen u.a. Siedlungstätigkeit, Verkehr, land- und forstwirtschaftliche Nutzung und Erholungsnutzung.

Informationsveranstaltung

Am 27.02. um 18Uhr findet eine der kommenden Informationsveranstaltungen im Wiesbadener Rathaus statt. Als Gäste werden Vertreter vom Biosphärenreservat Rhön und vom Biosphärenpark Wienerwald erwartet.

Konzept eines Biosphärenparks

Biosphärenparks bzw. -reservate, -regionen schützen Gebiete, die durch Natur- und Kulturlandschaften geprägt sind und die den Menschen in der Region die nötigen Rahmenbedingungen für ein Ressourcen schonendes und nachhaltiges Wirtschaften geben. Dem Naturschutz kommt dabei genauso Bedeutung zu wie auch der nachhaltigen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Region, sowie dem Erhalt kultureller Werte.

Biosphärenreservate sind nur selten „ursprüngliche“ Biotope – viel öfter sind es Kulturlandschaften, die sich in Jahrhunderten menschlicher Nutzung gebildet haben. Damit die UNESCO einen Vorschlag eines Staates zur Auszeichnung eines Gebiets als Biosphärenreservat annimmt, muss das Gebiet für einen Landschaftstyp charakteristisch sein und zugleich modellhaft nachhaltige Entwicklung umsetzen. Als „Freiluftlabore“ testen sie innovative Methoden und optimieren das Management. Modellprojekte widmen sich vielen Aufgaben: Bewahrung der Biodiversität, Förderung gesellschaftlichen Zusammenlebens und wirtschaftlich erfolgreiche Ressourcennutzung.

Das Schutzprogramm für Biosphärenreservate wurde 1976 von der UNESCO gestartet. Nach diesem Programm müssen Biosphärenparks folgende Funktionen erfüllen:

  • Schutzfunktion
  • Entwicklungsfunktion
  • Forschungs- und Bildungsfunktion

Um diese Funktionen zu erfüllen, wird ein Biosphärenpark in drei Zonentypen unterteilt:

  • Kernzonen
  • Pflegezonen
  • Entwicklungszonen

Wer mehr über die bisherigen Aktivitäten zum Thema im Rhein-Main-Taunus lesen möchte kann sich hier http://www.naturpark-rhein-taunus.de/de/naturpark/aktuelles-presse/2017/Mai/Info-BSR-Taunus-Rhein-Main/ von dem vergangenen Skizzenpapier informieren.

Und direkt bei der Deutschen UNESCO Kommission gibt es die Übersicht über das Programm:

https://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/biosphaerenreservate-uebersicht/mab-programm0.html

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