1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

Die Hochheimer Kultur beteiligt sich mit zwei Führungen am Jubiläumsjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

(sho) Ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin vom 11. Dezember 321 erlaubt jüdischen Menschen die Mitarbeit in der Stadtverwaltung von Köln. Somit zeigt sich nicht nur, dass bereits zu dieser Zeit Jüdinnen und Juden im späteren Deutschland lebten, sondern auch, dass sie Teil des gesellschaftlichen Lebens waren. Dies ist der Anlass für ein deutschlandweites Festjahr, bei dem es darum geht, Menschen ins Gespräch miteinander zu bringen, Verständnis zu schaffen und sich gegen Antisemitismus zu positionieren. Weitere Informationen dazu finden sich unter www.2021jlid.de.

Für Hochheim lässt sich die jüdische Bevölkerung erst für einen späteren Zeitpunkt beobachten. Während es in Mainz schon sehr früh eine bedeutende jüdische Gemeinde gab und auch in Flörsheim bereits im Jahre 1290 jüdische Einwohner erwähnt werden, kann gemäß der Nachforschungen des Hochheimer Heimatforschers Franz Luschberger erst für das Jahr 1608 der schriftliche Nachweis für jüdisches Leben in Hochheim erbracht werden, als der Ortsgeistliche Georg Urban „gegen die Einwohner wetterte, die während des Gottesdienstes in des Juden Haus Branntwein tranken“ – nachzulesen in: Franz Luschberger: Juden in Hochheim. Eine heimatgeschichtliche Exkursion (1988).

Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit stellt sich die Frage, welche Art von jüdischem Leben es hier vor Ort gab? Dies ist das Thema der beiden Führungen, die die Stadt Hochheim am Main zum Jubiläumsjahr anbietet. Die beiden Hochheimer Stadtführerinnen Ellen Umstätter-Speth und Edwina Hubertus eröffnen neue Perspektiven, indem sie Orte des jüdischen Lebens in den Fokus rücken, an denen wir alltäglich vorbeigehen: den jüdischen Friedhof sowie die Stolpersteine in der Altstadt. Was können diese uns heute sagen, was können sie uns bewusst machen?

Aufgrund der aktuellen Situation der Corona-Pandemie ist noch nicht bekannt, ob die Führungen wie geplant stattfinden können. Neue Regelungen für kulturelle Veranstaltungen sind ab dem 19. April 2021 in Kraft getreten, daher werden alle Interessierten gebeten, sich kurzfristig (ab 22. April) im Online-Veranstaltungskalender auf der Internetseite der Stadt, www.hochheim.de, zu informieren. Wenn die Führungen zu diesem Zeitpunkt ausfallen müssen, soll ein Ersatztermin im Sommer angeboten werden.


Führung 1

Gräber und Steine für die Ewigkeit

Am Sonntag, 25. April 2021, findet um 15.00 Uhr die erste der beiden Führungen statt. Treffpunkt ist das Eingangstor des Jüdischen Friedhofs, rechts an der Flörsheimer Straße unmittelbar am Ortsausgang in Richtung Flörsheim. Alle Nichtjuden werden gebeten, beim Betreten den Kopf zu bedecken.

Die Hochheimer Stadtführerin Ellen Umstätter-Speth geht in ihrer Führung den Fragen nach, was sind die Besonderheiten der Jüdischen Friedhöfe und woher kommt das Brauchtum der Bestattungen.


Führung 2

Stolpersteine – Jeder Stein ein Schicksal

Die zweite Führung am Sonntag, den 02. Mai 2021, ebenfalls Start um 15.00 Uhr, befasst sich mit den in Hochheim verlegten Stolpersteinen. Diese erinnern auf den Gehwegen an die Schicksale jüdischer Menschen während der NS-Zeit. Stolpersteine, zehn mal zehn Zentimeter groß, oft unbeachtet, finden sich in der Weiherstraße, Neudorfgasse oder Blumengasse. Mahnmale mit der Aufschrift: hier wohnte, geboren am, deportiert oder ermordet – jeder Stein ein individuelles Schicksal.

Treffpunkt für diese Führung, die von der Hochheimer Stadtführerin Edwina Hubertus geleitet wird, ist am Hochheimer Rathaus, Burgeffstraße 30.


Die Teilnahme an den beiden Führungen ist kostenfrei und um eine Voranmeldung per E-Mail an tanja.zobeley@hochheim.de oder telefonisch
unter 06146 900-141 wird gebeten.

 

 

 

Fotonachweis: Stadt Hochheim Main

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