Der Bürgermeister der Herzen verlässt das Hochheimer Rathaus – Bürger- und Vereinsreferent Klaus-Dieter Jung verabschiedet sich in den Ruhestand

(kö/wsj) – Es war wie in lange zurückliegenden Zeiten. Ein sonniger Tag, Menschen stehen dicht beieinander. Gutgelaunt, ohne Masken, plaudern und scherzen sie miteinander. Sie verkosten Roséwein oder begnügen sich mit erfrischendem Mineralwasser. Viele von ihnen teilen Gemeinsamkeiten, denn es sind die Vertreter der Hochheimer und Massenheimer Vereine. Teils sind sie langjährig in ihren Funktionen, teils waren sie langjährig im Vereinsleben engagagiert.

Auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Hochheimer Stadtverwaltung, aktive und ehemals aktive, ebenso Vertreter der Hochheimer Kommunalpolitik, tummeln sich unter der Gästeschar, fröhlich und ausgelassen.

Bei sonnigem Wetter trafen sich geladene Gäste im Weingut Schreiber

Kontrastierend zur Fröhlichkeit und zur Ausgelassenheit der zahlreich geladenen Gäste ist der Anlass, warum sie der Einladung auf die Freifläche des Weingutes Schreiber gefolgt sind, denn jener stimmt demütig, besinnlich und nachdenklich. Klaus-Dieter Jung, im Hochheimer Rathaus als Bürger- und Vereinsreferent eine Institution, der gefühlte Schutzpatron der Hochheimer Vereine, verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Und er hinterlässt einen ausnehmend großen Fußabdruck, daran lassen alle Dankesreden an diesem Tag keinen Zweifel.

Bereits der Weg entlang der Fensterfront der Vinothek ist durch eine Bildergirlande gesäumt. Momente aus dem Wirken des Klaus-Dieter Jung, dem rastlosen, dem schier unerschöpflich Wirkenden. Und doch hält auch er manchmal inne, wenn ihn auf einer langen Busreise der Schlaf übermannt und er in seinem Sitz versunken für sich selbst Ruhe einkehren lässt.

In eine schattige Ecke des Schreiber´schen Anwesens haben sich die Mitglieder des Blasorchesters Hochheim zurückgezogen. In kleiner Besetzung musizieren sie, eröffnen die akademische Feier mit einem zünftigen Marsch. „Muß` i denn zum Städele hinaus“ wird später der musikalische Schlussakkord sein.

Ein Bürger- und Vereinsreferent, braucht Hochheim das, denn schließlich gibt es doch einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin, die für die Bürger da sein sollen? Harald Schindler, einst Verwaltungschef in Hochheim, entschied gegen alle Widerstände, dass es sowohl die besondere Funktion geben müsse als auch für deren Besetzung nur einer in Frage käme: Klaus-Dieter Jung, Freund seit Jugendtagen, dem er dezidiert und eindrücklich nahelegte, ihm ins Hochheimer Rathaus zu folgen. Wie vehement und unbeirrbar Schindler für seine Idee kämpfte, offenbarte er am Mikrofon. Seine Doppelstimme, damit stattet das Kommunalrecht die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus, um ein Abstimmungspatt zu verhindern, habe er im Magistrat einsetzen müssen, um die Stelle und die Besetzung zu ermöglichen. Dass er das Abstimmungsergebnis aus einer lange zurückliegenden nichtöffentlichen Sitzung preisgab, verziehen ihm die Hochheimer Kommunalpolitiker. Klaus-Dieter Jung trat seine Stelle im Jahre 1991 an, fest entschlossen, den Sinn und Zweck seines Tuns gegen alle Kritik zu stellen.

Bürgermeister a.D. Harald Schindler blickt zurück auf die entscheidende Sitzung des Magistrates

Im Hochheimer Bürger- und Vereinsreferent vereinigen sich besondere Charakterzüge, die wohl wesentlich dazu beitrugen, dass er am Tag seiner Verabschiedung auf ein erfolgreiches Wirken zurückblicken kann. Jung versteht es mit hohem Geschick, Personen und Ziel in den Vordergrund zu stellen, sich selbst dabei zurückzunehmen, damit das Ergebnis seiner akribischen Vorbereitung, das Geschaffene, umso heller strahlt. Und Klaus-Dieter Jung versteht es, ihm gestellte Aufgaben stetig zu einem überzeugenden Ergebnis zu entwickeln.

Ausgerichtet am Arbeitsaufwand sind vorrangig das Stadtjubiläum in Hochheim als auch das Jubiläum im Stadtteil Massenheim zu nennen. Hochheim feierte ein ganzes Jahr, mit dem Höhepunkt eines Festumzuges durch die Straßen der Stadt. Zwischendurch organisierte Jung zahlreiche Veranstaltungen im Rahmenprogramm, verteilt über das Jubiläumsjahr. Mit gleicher Intensität schuf er den würdigen Rahmen für das Jubiläum im Ortsteil.

Jung organisierte die Feierlichkeiten und Zusammentreffen mit allen Städten, zu denen Hochheim eine Partnerschaft oder Städtefreundschaft pflegt und ohne die jeweilige Landessprache zu beherrschen, denn sein Drang zur Perfektion in seinem Tun und seinen Zielen bedarf keiner Übersetzung in eine fremde Sprache.

Die Marktweinproben, auch im ehemals großen Rahmen in der Stadtsporthalle, an zwei Abenden, waren sein Revier, was die Betreuung der Hochheimer Weinköniginnen mit einschloss. Mit ihnen zog er am Weinfest von Weingut zu Weingut und alle jungen Damen, die je das Amt der Weinkönigin bekleideten, wussten sich in seiner Obhut in guten Händen.

Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Weltin, eigentlich eine gestandene Persönlichkeit, sah sich wiederholt Jungs Ratschlägen zu ihrer eigenen Kleiderordnung ausgesetzt. Alles hatte perfekt zu sein, wenn Jung das Zepter des Organisators führte. Mit Schmunzeln gab Weltin zum Besten, dass sie sich der vorgegebenen Kleiderordnung zuweilen widersetzte, was Jung selbst am Tage seiner Verabschiedung noch ein Stirnrunzeln entlockte.

Weltin war es auch, die eingestehen musste, sich überschätzt zu haben, um damit gleichzeitig die Dimension der Aufgabe des Bürger- und Vereinsreferenten hochzuschätzen. Sie habe bei ihrer Wiederwahl als Stadtverordnetenvorsteherin vollmundig angekündigt, alle Hochheimer Vereine zu besuchen, kapitulierte jedoch, da sie deren Anzahl unterschätzt habe, denn 80 Hochheimer Vereine aufzusuchen, übersteige ihre zeitlichen Kapazitäten bei weitem.

Jedoch wurde aus der Not die Tugend. Aus Anlass der Verabschiedung funktionierte Weltin ihre Kanzleiräume in der Altstadt kurzerhand in eine Bastelstube mit angeschlossener Geldsammelstelle um. Alle Vereine schufen ein Werk des Dankes und spendeten für ein gemeinsames Geldgeschenk, das Weltin an Jung übergab, gedacht als Anschubfinanzierung für ein E-Bike.

Abschließend kündigte Weltin mit einem vielsagenden Lächeln noch ein Gespräch mit Jung unter vier Augen an, denn die von Jung innerhalb der Stadtverwaltung für die Erste Bürgerin der Stadt gewählte Bezeichnung „die Präsidentin“ bedürfe noch einer eingehenden Betrachtung, natürlich bei einem Glas Wein.

Dirk Krams, nominell der Amtsleiter und damit Jungs Vorgesetzter, offenbarte in seiner kurzen Rede, was Jung gerne mag und wofür er sich begeistert. Dabei steht der heimische Garten ganz oben auf der Liste der privaten Freuden. Folgerichtig gab es für Jungs Kollegen nur ein Geschenk, welches das zu fördern weiß, die Liege mit Sonnendach. Jung ließ es sich nicht nehmen, im edlen Zwirn Probe zu liegen, natürlich nur mit Cocktail.

Das ist Ruhestand nach dem Geschmack des zukünftigen Ruheständlers

Krams verneigte sich sprachlich vor dem Wissen, das sich Jung im Laufe seiner drei Jahrzehnte dauernden Tätigkeit im Rathaus über die Menschen dieser Stadt und deren Lebensumstände aneignete. Es sei im Rathaus eine gängige Formulierung: „frag` den Klaus-Dieter, der weiß das.“

Jetzt schwinge der Wehmut über den Abschied mit, wenn der Satz zukünftig mit neuer Bedeutung umformuliert werden müsse: „Klaus-Dieter hätte das gewusst.“

Er schrieb nicht nur Reden für seine Vorgesetzten, er kann es auch selbst. Eine ergreifende Dankesrede schrieb Jung für sich selbst.

Jung selbst setzte den Schlusspunkt am Tag seiner Verabschiedung. In für Außenstehende unbekannter Emotionalität und mit sprachlicher Vehemenz ließ er die Widerstände gegen ihn und die neue Aufgabe, seine Überzeugungsarbeit und den Aufstieg seiner selbst auf der Beliebtheitsskala Revue passieren. Dabei vergaß er das Miteinander nicht, das für ihn in der Zusammenarbeit und dem Erreichen eines Ziels unerlässlich ist. Nur in diesem Zusammenwirken war nach seiner Überzeugung die Aufnahme von Flüchtlingen zu bewältigen, die vorrangig in der Sport- und Kulturhalle Massenheim untergebracht wurden, und dem größten Verein in Massenheim, der TUS Massenheim, einiges abverlangten, was Jung in der Abwägung der Interessen zu moderieren hatte.

Selbstsicher schloss Jung, er hinterlasse ein bestelltes Haus, dass er an seine Nachfolgerin übergebe. Er sei für einen Moment unbescheiden, dass am Ende seiner aktiven Laufbahn so feststellen zu dürfen.

Da war der Augenblick wieder, der Wunsch der Anwesenden für die Zeit nach Klaus-Dieter Jung. Möge der Schutzpatron der Hochheimer Vereine in den verdienten Ruhestand gehen, aber sein Geist sei fortwährend anwesend, täglich neu die Arbeit im Hochheimer Rathaus zu inspirieren. Dabei ist nicht ausgeschlossen, das Jung selbst das immer wieder durch sein persönliches Erscheinen kontrolliert.

Titelbild: Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Weltin übergibt das Ergebnis der Spendensammlung der Hochheimer Vereine an Klaus-Dieter Jung

Bilder: Impressionen zur Verabschiedung des Bürger- und Vereinsreferenten Klaus Dieter Jung

 

 

 

 

 

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