Uff e Piffche mit….Christina Euller

Das Weinstadtjournal eröffnet eine neue Serie.

Unter der Mundartüberschrift stellt die Online-Zeitung in unregelmäßiger Reihenfolge Personen vor, die sich für unsere Stadt oder in unserer Stadt engagieren. Dabei sind sie nicht immer in den vordersten Reihen aktiv, stehen nicht im Rampenlicht, sondern wirken vielfach unerkannt an der ihnen gestellten oder der von ihnen übernommenen Aufgabe.

Die Gespräche sind keine klassischen Interviews, vielmehr ein lockerer Plausch in entspannter Atmosphäre. Die Beschreibung der Personen, die jede für sich auch Persönlichkeiten sind, spiegelt sie als solche wider.

Die Serie ist wiederzuerkennen an dem im Bericht eingefügten Weinglas.

 

„Meine Großeltern sind sehr stolz auf mich“

Beginnen wollen wir mit Christina Euller.

Die 31-jährige Querflötistin wurde zu Beginn des Jahres in der Mitgliederversammlung des Blasorchesters zur Ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Sie löst damit den langjährig in der Vereinsführung tätigen Lothar Kaufmann ab.

Der Probenraum am Weiher ist das Vereinsheim. Hier treffe ich Christina Euller an einem Donnerstagabend vor Beginn der Probe.

In Eigenleistung sind die Toiletten um- sowie innen ausgebaut. Mit der Stadt Hochheim sei eine langfristige Nutzung vereinbart, erklärt Christina Euller. Die Wände der Räumlichkeiten, in denen wir miteinander reden, dekorieren Plakate früherer Konzerte, Bilder und Presseberichte über die Arbeit des Vereins. Hier ist es gemütlich.

Christina Euller beschreibt lächelnd, dass sie Ende der neunziger Jahre, das genaue Jahr ist ihr nicht mehr erinnerlich „in den Verein eingetreten wurde“. Die Mitgliedschaft im heutigen Blasorchester, dem ehemaligen Spielmanns- und Fanfarenzug der Wein- und Sektstadt Hochheim, ist im Hause Euller Tradition. Der Opa, Karl Euller, gehörte als Querflötist zur erfolgreichen Generation um den Stabführer, Helmi Hofmann, die bei Musikwettbewerben reihenweise Preise einheimste. Ihr Papa spielt ebenfalls im Blasorchester mit und unterstützt seine Tochter darüber hinaus in der Vorstandsarbeit als Schriftführer.

Wie bedeutsam es für den Verein ist, dass nunmehr eine Frau an der Spitze des Vereins steht, weiß Christina Euller aus der Vergangenheit. Ihr Opa, einst selbst langjährig mit der Vereinsführung betraut, moderierte die Diskussion in Vorstand und Verein, ob der ehemalige Männerverein überhaupt Frauen aufnehmen sollte. Sie habe das am Rande mitbekommen, sagt Christina Euller. Heute wäre der Verein ohne Frauen, so vermutet Christina Euller, vermutlich längst aus dem Vereinsleben entschwunden, denn einige Instrumentengruppen sind überwiegend weiblich geprägt.

Sie habe nicht überredet werden müssen, die Aufgabe der Vereinsvorsitzenden zu übernehmen, erbat sich jedoch Bedenkzeit. Natürlich, so sagt Christina Euller, hätte es Bedenken gegeben, die üblichen halt, zu jung, fehlende Erfahrung und typisch männlich die Frage, was denn würde, wäre sie demnächst Mutter oder wollte es werden. Christina Euller zeigt sich hier unbeeindruckt, denn erstens stünde das nicht an und zweitens müsse es mit der Aufgabe vereinbar sein, denn sonst bliebe auch das führende Ehrenamt für die Frauen verschlossen. Schließlich gab es keinen Gegenkandidaten, da sich kein anderer bereiterklärte, die Verantwortung zu übernehmen.

Sie stehe nun in der Tradition des Großvaters, und beide Großeltern seien sehr stolz auf sie. Die erfahrene Wertschätzung innerhalb der Familie entlockt ihr ein breites Grinsen. Das ist ihr wichtig. Mit Zurückhaltung denkt Christina Euller über die Frage nach, wie lange sie in der Vereinsarbeit ganz vorne stehen möchte. Ihr Vorgänger tat dies mehr als zwei Jahrzehnte. Sie lebt in der Überzeugung, dass jetzt die Position der Vorsitzenden vakant und zu besetzen war, das und ihre Bereitschaft zählt.

Wichtig ist ihr, dass sie durch die Vorstandsmitglieder immer wieder unterstützt wird in der täglichen Vorstandsarbeit. Vieles sei ihr unbekannt, jedoch sei jeder bereit, ihren Lernprozess zu fördern.

Christina Euller arbeitet hauptberuflich in der Pflege. Ihr langer Arbeitstag gründe darauf, auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen. Das sei ein gutes Rüstzeug, um einen Verein zu führen.

Das jüngst veranstaltete Konzert betrachtet sie als Höhepunkt einer kontinuierlichen musikalischen Entwicklung des Orchesters. Der Verein habe im regelmäßigen Turnus den Zuhörern musikalische und optische „Highlights“ geboten, mit dem Einsatz moderner Video- und Kameratechnik dem Publikum einmalige Einblicke gewährt. Das sei jetzt vorbei, denn der Zugriff auf die Übertragungstechnik sei zukünftig nicht mehr möglich. Neue Formate der musikalischen Präsentation müssen geschaffen werden.

Christina Euller weiß, dass das auch ihre Verantwortung sein wird, ebenso wie die Auswahl neuer Dirigenten für das Blas- als auch das Nachwuchsorchester. Es gibt ausreichend Bewerbungen, daher ist ihr um die zukünftige musikalische Führung nicht bange. Sie seien in der angenehmen Situation, eine Auswahl treffen zu können, das habe sie beruhigt.

Ungleich herausfordernder ist die Aufgabe, weiterhin musikalischen Nachwuchs für das Orchester zu gewinnen. Intensive Werbung und Ansprache der Kinder als auch der Eltern sei vonnöten, um junge Menschen für ein Instrument, die langjährige Ausbildung und das stetige Mitwirken zu begeistern. Derzeit ist das Nachwuchsorchester stark ausgedünnt, denn nach dem Konzert ist der gut ausgebildete Nachwuchs auf dem Sprung in das große Orchester.

Der Besuch in den Hochheimer Schulen anlässlich der Vorstellung und Beschreibung der Instrumente eines Blasorchesters habe ihr offenbart, wie eng getaktet der Terminkalender der Kinder heute sei. „Die hatten teilweise mehr Termine an einem Tag als wir Erwachsene. Da ist es eine echte Entscheidung, ein Instrument lernen zu wollen.“

Wichtig bleibt ihr die musikalische Herausforderung. „Wir gewinnen keinen Nachwuchs, wenn wir immer nur Polka spielen, wir sind ein gutes Orchester und nicht nur eine Ansammlung von Blasmusikern.“

Christina Euller möchte auch in dieser Hinsicht Vorbild sein. Selbst als sie für eine Zeit nicht in Hochheim gewohnt habe, war sie regelmäßig in der wöchentlichen Probe. Die Gemeinschaft musizierender Menschen, die Stimmung im Verein, das alles ist nicht durch eine virtuelle Welt zu ersetzen. Musik ist Kultur – und sie die junge, dynamische Vorsitzende des Vereins, ihres Vereins.

Titelbild: Christina Euller bei der Begrüßungsansprache zum Konzert

Bildnachweis: Christina Euller

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