Uff e Piffche mit…Petra Kunz

Unter der Mundartüberschrift „uff e piffche mit… stellt die Online-Zeitung in unregelmäßiger Reihenfolge Personen vor, die sich für unsere Stadt oder in unserer Stadt engagieren. Dabei sind sie nicht immer in den vordersten Reihen aktiv, stehen nicht im Rampenlicht, sondern wirken vielfach unerkannt an der ihnen gestellten oder der von ihnen übernommenen Aufgabe.

Die Gespräche sind keine klassischen Interviews, vielmehr ein lockerer Plausch in entspannter Atmosphäre. Die Beschreibung der Personen, die jede für sich auch Persönlichkeiten sind, spiegelt sie als solche wider.

Die Serie ist wiederzuerkennen an dem im Bericht eingefügten Weinglas.

 

„Älter werden ist mein Lebenselixier“

Ich treffe Petra Kunz nach einem langen Arbeitstag. Was mir sofort auffällt und das Gespräch begleitet, ist das entspannte Wesen. Es ist sicher, dass der Arbeitstag sie forderte, aber ich als ihr Gegenüber merke davon nichts.

Petra Kunz, bekannt in Hochheim in der Generation der älteren Menschen, vielleicht noch besser in den Kreis der Hochheimer „Ureinwohner“ einzuordnen unter ihrem Mädchennamen Fritz. In der Kolpingfastnacht waren ihr Vater Heino Fritz und Toni Hartmann legendäre Partner im Mundartduett in der Bütt. Ihre Mutter entstammt einer früheren Generation des Weinguts Schäfer.

Während ihrer Ausbildung kehrte sie Hochheim für eine kurze Zeit den Rücken, ist gerne wieder zurück. Hochheim ist ihr vertraut, die Menschen, die Besonderheiten, die Straßen, Wege und Plätze.

Petra Kunz wuchs mit drei Geschwistern auf. Bereits kurz nach der Schule prägte sich der Studienwunsch für das Fach Sozialarbeit aus. Das ergänzte sie später um den Studiengang der Gerontologie, ein Fachgebiet, auf dem die Alterungsvorgänge im Menschen unter biologischen, medizinischen, psychologischen und sozialen Aspekten erforscht werden. Es sind die Erwachsenen, die eine berufliche Faszination auf sie ausüben, sie will mit ihnen im Kontakt sein, und an ihnen ihr berufliches Wirken ausrichten. Jugendarbeit als Alternative sprach sie dagegen nicht an.

Petra Kunz bezieht ihr heutiges Tun auf alte Menschen, das prägt sie beruflich und persönlich in ihrer Ausgeglichenheit und ihrem Langmut. Aus ihrer beruflichen Erfahrung differenziert sie bewusst und mit Überzeugung den Lebenszyklus der Menschen. Es gibt nach Ihrer Erkenntnis und im Sinne ihrer Erfahrung  die „älteren Menschen“, eine rüstige und aktive Generation, interessiert und ihr Leben uneingeschränkt selbstbestimmt führend, und die „alten Menschen“, angewiesen auf zunehmende Unterstützung und Betreuung in zeitlich und fachlich umfassender Weise. Die jeweiligen Lebensabschnitte umreißt sie für die „jungen Alten“ in der Zeitspanne zwischen 65 und 80 Jahren. Danach hinterlässt das Altern im Alltag deutliche Spuren, so ihre Expertise.

Die Herausforderungen der derzeit alternden Generation sieht sie darin, dass die Digitalisierung sich im Leben der Menschen beginne auszubreiten. Die Bereitschaft, sich noch im Herbst des Lebens auf grundlegende technische Umwälzungen einzulassen, sei individuell verschieden.

Ihr Arbeitsalltag teilt sich auf in einer Tätigkeit in Hofheim am Sitz der Caritas mit dem Schwerpunkt der Demenz im Alter. Die Vorbereitung der Angehörigen auf den Umgang mit Demenz durch alle Arten der Information und Fortbildung, darum kümmert sie sich. Demenz war vor einigen Jahren das beherrschende Thema in Hochheim, als durch finanzielle Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung Vereine und öffentliche Einrichtungen damit konfrontiert und darüber informiert wurden.

Im Büro „Älter werden“ in Hochheim ist sie Anlaufstelle für die vielfältigen Anliegen einer Generation. Träger der Initiative der Caritasverband Main-Taunus, überwiegend finanziert durch die Stadt Hochheim. Angesiedelt ist die Beratungsstelle im Hochheimer Rathaus. Petra Kunz fühlt sich gut vernetzt mit den Ämtern im Rathaus. Die soziale Arbeit werde als generationenübergreifend verstanden. Allen ist sie ein Ansprechpartner. Sie unterstützt ältere Menschen, die in Hochheim neu ankommen, ebenso wie in der Erfüllung der unvermeidlichen Formalitäten, regt Hilfeleistungen an und nimmt die Bedürftigen an die Hand dabei, die nötigen Anträge zu stellen.

Die Arbeit in der Caritas ist ihr Herzensthema, so betont sie. Daher bringt sie sich in die Arbeit im Ökumenischen Sozialausschuss ein. Hier beschäftigt sie gerade intensiv der Umsonstladen, das neue und arbeitsintensive Projekt.

Mit einem herzhaften Lachen quittiert Petra Kunz die Frage, ob sie ihren Arbeitsalltag als geregelt empfinde. Die Reaktion ist bezeichnend dafür, wie sehr sie in ihrem Beruf, nein in ihrer Berufung aufgeht. Sie ist auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten ansprechbar, auch privat läutet das Telefon, und es erfüllt sie helfen zu können. Und doch vermag sie sich zugunsten eines Privatlebens abzugrenzen.

Petra Kunz ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der katholischen Kirchengemeinde in Hochheim. Dem Gremium gehören 14 gewählte Gemeindeangehörige an. In das Ende ihrer zweiten Amtszeit nach acht Jahren im November 2019 fallen Entwicklungen, welche die Ortskirche verändern könnten.

Da ist die Diskussion um den pastoralen Raum, der dem späteren ortsübergreifenden Zusammenfassen der katholischen Ortsgemeinden Flörsheim und Hochheim vorausgeht und dessen Einfluss auf das Gemeindeleben.

Da ist der überraschende Weggang von Pfarrer Markus Schmidt mitten in den Vorbereitungen für den pastoralen Raum. Die Pfarrstelle blieb danach lange unbesetzt. Die Pfarrgemeinden wurden nur verwaltet, was vornehmlich organisatorische und administrative Aufgaben beschreibt.

Pfarrer Meudt ist zwischenzeitlich neu in sein Amt in Hochheim eingeführt. Petra Kunz nimmt ihn nach den ersten Begegnungen positiv wahr. Die Kommunikation mit den Gremien der Hochheimer Kirchengemeinden sei ihm wichtig, für sie ein gutes Vorzeichen.

Der neu gewählte Pfarrgemeinderat wird Pfarrer Meudt und die Kirchengemeinde an die Hand nehmen müssen, um sich wechselseitig in Hochheim anzunehmen und zu verstehen.

Petra Kunz steht gemeinsam mit anderen Kandidaten zur Wiederwahl, eine Wahl, die nur wenige zur Kenntnis nehmen, und ein Gremium, dass nur regelmäßige Kirchgänger überhaupt und in seiner Funktion kennen.

Dem Pfarrgemeinderat arbeiten Ausschüsse zu, die er beruft. Die zu besetzenden Themen bestimmen die Ausschüsse weitgehend in eigener Verantwortung. Zu den Arbeitsergebnissen tauschen sie sich mit dem Pfarrgemeinderat aus. Die Mitarbeit in den Ausschüssen steht allen Gemeindemitgliedern offen, begrenzt an der Zahl der Ausschussmitglieder.  Petra Kunz verdeutlicht, dass die Mitarbeit von Gemeindemitgliedern auch außerhalb der Gremien notwendig und gewünscht ist.

Petra Kunz wünscht sich deutlich mehr Wahlbeteiligung, wenn am 16. und 17. November 2019 die Gemeindemitglieder zur Wahl aufgerufen sind. Sie ist überzeugt, dass Wahlbeteiligung die beste Unterstützung für das Ehrenamt in der Kirche ist, welches gerade in Zeiten fehlender Geistlicher eine Aufwertung erfahren muss, da Ortskirche andernfalls nicht mehr funktionieren werde.

Zufrieden stellt Petra Kunz fest, dass es an Wahlbewerbern nicht mangele. Auch die Generationen seien gut vertreten. Sie möchte weiter mit dabei sein, sofern das der Wählerwille ist. Aus jedem Satz spricht die Bedeutsamkeit dieses Ehrenamtes zuerst für die katholische Gemeinde in Hochheim, aber auch für sie selbst.

Auch die Wahl des Pfarrgemeinderates folgt dem Trend der Briefwahl. Danach muss das Kreuz nicht vor Ort abgegeben werden. Die Wahlscheine sind zwischenzeitlich den Gemeindemitgliedern in Hochheim zugegangen.

Die Besonderheit der Pfarrgemeinderatswahl in Hochheim besteht darin, dass eine Woche später, nach dem Hochheimer Markt, gewählt wird, ausdrücklich nur in Hochheim.

Petra Kunz steht sinnbildlich für die Menschen in unserer Stadt, deren soziales Engagement die Gemeinschaft bereichert. Sie arbeitet im Stillen, ohne Rampenlicht. Gerade deshalb verdient sie, mit ihr und vor allem über sie zu reden. Und zu schreiben.

 

 

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