Trecker Flash-Mob Hochheim Süd

Bauern und Winzer aus Hochheim, Kostheim und Wicker haben am Mittwochabend zwischen 16:00 Uhr und 18:00 ihre Solidarität mit dem ‚Riesen-Traktor-Flash-Mob’ in den Niederlanden bekundet. In Holland wurden mit Tausenden von Treckern Autobahnen blockiert und es wurde mitten auf der Fahrbahn gegrillt.

Bauern-Streiks werden abgetan
„Trotzdem wird man kaum etwas davon hören.“, sagt Johannes Wirschinger, Winzer aus Hochheim, und fährt fort: „Wenn Flugzeuge wegen Streik auf dem Boden bleiben, wird darüber berichtet. Wenn tausendfünfhundert Trecker die Mainzer Straße in Wiesbaden blockieren, ist das höchstens mal eine Randnotiz in den Medien wert. Wenn achttausend Traktoren in Berlin demonstrieren, wird das mal kurz in der Tagesschau gezeigt. Die Gründe und Forderungen der Bauern, die vier oder fünf Tage nach Berlin tuckern und eine Betriebsabsicherung organisieren müssen, ganz zu schweigen von den Kosten, die keine Streikkasse trägt, werden nicht mal richtig vorgestellt.

Blinkende Traktoren Hochheim-Süd
An der Einfahrt von Kostheim nach Hochheim haben die hiesigen Bauern 16 blinkende und leuchtende landwirtschaftliche Fahrzeuge, darunter drei riesige Vollernter neben die Fahrbahn gestellt und damit für einige Aufmerksamkeit gesorgt.

Warum das alles?
Es geht um die EU-Düngemittelverordnung. Die Bauern fühlen sich von der ‚Politik’ radikal übergangen. Diese EU-Verordnung ist nach Aussage der Bauern erst lange von der Bundesregierung verschleppt worden und soll jetzt noch schnell durchgedrückt werden. Schließlich tritt diese EU- Düngemittel-Verordnung bereits in wenigen Tagen am 01.01.20 in Kraft.

20% die den Unterschied machen
Die EU-Düngemittelverordnung sieht für deutsche Bauern vor, dass 20% weniger Düngemittel ausgebracht werden darf. Das klingt für Verbraucher erstmal nicht dramatisch. Wir haben durch Fernsehbeiträge, die übermäßige Gülleverteilung und die Diskussion über hohe Nitratwerte im Kopf.

Genau da fängt es für die Bauern an.
Die Bauern fühlen sich nicht ernst genommen. Sie wundern sich, warum sie nicht gefragt werden. Schließlich sind es die Bauern, die den Boden bearbeiten, die Felder bestellen und mit Ihren Nutzpflanzen für echte CO2 Bindung sorgen. Gerne wären die Bauern einfach mal gefragt worden, welche Auswirkungen zu erwarten sind.

Qualität von Weizenmehl und Braugerste bedroht
Die Bauern geben zu bedenken: Bei Weizen, der 20% weniger gedüngt wird, ist der Proteingehalt des Mehls nicht mehr hoch genug, er kann also nicht mehr zum Backen verwendet werden.

Bei Sommergerste verhält es sich genauso. Weniger gedüngt kann, Sommergerste nicht mehr zum Brauen verwendet werden, sondern nur noch als Futtermittel.

Brot und Bier mit „Qualitäts“-Zutaten aus Nicht-EU Ländern.
In diesem Fall müssten wir für unser Brot und unser Bier Weizen und Gerste in großen Mengen außerhalb der EU einkaufen. Das im großen Stil auch außerhalb der EU-eingekauft werden soll, hat Ursula von der Leyen als neue EU-Kommissionspräsidentin, bereits verkündet. Dabei verlieren wir jegliche Kontrolle über die Qualität der Naturprodukte. Bei uns ist alles haarklein geregelt – unsere Produkte, auch aus dem konventionellen Landbau sind gesunde Qualitätsprodukte. Bei Importen aus Nicht-EU Ländern, wie China, wissen wir nichts über die Produktionsbedingungen. Dort können Dünger oder Chemikalien in vollkommen unkontrollierten Mengen verwendet werden. Statt heimische Produkte, die kontrolliert und mit Blick auf unsere Umwelt produziert werden, sollen dann importierte Produkte aus fernen Ländern, die kaum umweltschonend produziert werden, Tausende von Kilometer weit hergebracht werden? Das kann doch nicht im Sinne der Verbraucher sein.

Grobe handwerkliche Fehler der Politik
Darüber hinaus meinen die Bauern, dass grobe Fehler gemacht wurden. Nach Aussage der Landwirte sind z.B. nur die Daten von 700 belasteten Brunnen nach Brüssel gemeldet worden, Brüssel wollte die Analysedaten von 2000 deutsche Brunnen zum Vergleich. Hätte man die geforderte Anzahl geliefert, würde die Düngemittelverordnung sicherlich anders aussehen, meinen die Bauern.

Auch weitere Versäumnisse bei den Messwerten und der regelmäßigen Erfassung der Brunnenwerte wurden nach Aussage von Johannes Wirschinger bereits von der für uns zuständigen hessischen Ministerin, Priska Hinz, zugegeben.

Einen guten Bauer braucht jeder

Johannes Wirschinger resümiert: „Unser Flash-Mob soll die Verbraucher informieren, dass da gerade etwas gehörig schiefläuft.“ Am Ende zitiert er einen unbekannten Kommentar aus Facebook:

„Einen guten Pfarrer braucht man einmal im Leben, einen guten Rechtsanwalt vielleicht zweimal, einen guten Arzt noch häufiger. Aber einen guten Bauern brauchen wir – dreimal am Tag!“

 

 

∗∗∗

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.