Alle für Deutschland?

Die Bundestagswahl ist Geschichte, vorläufige amtliche Ergebnisse festgestellt.

Der Aufschrei der aufrechten Demokraten über das Wahlergebnis der AfD war allerorten groß. Nun folgt ihm die ratlose Stille. Schlimmer noch: die Sprache der politischen Niveaulosigkeit wählt gerade nicht die AfD, sondern Andrea Nahles, frisch gewählte Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion.

Ein jeder mag zur AfD stehen wie er will, nicht jedoch wegdiskutieren lässt sich die Zulassung der Partei zu Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen, was nur den politischen Gruppierungen zuteilwird, deren politische Ziele in Einklang mit unserer Verfassung stehen.

Richten wir unseren Blick auf die AfD-Wähler, so setzen wir sie gemein mit den pöbelnden, grölenden und andere Überzeugungen niederschreienden Teilnehmern an Wahlveranstaltungen und Demonstrationen, denen kein Argument mehr beikommen kann.

Der Umgang mit anderen Menschen lehrt uns jedoch, dass der Emotion mit Sachlichkeit nicht beizukommen ist. Aufgebracht sein lässt sich nicht mäßigen durch wohlgewählte Formulierungen und Angebote zum Dialog. Gerade diese Erkenntnis lässt uns unbeholfen und wirkungslos sein im Streit um die Ziele dieser Partei und mit der Radikalität ihrer Unterstützer.

Es ist das Befinden eines Teils der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, und das sind auch die Wählerinnen und Wähler der AfD, dass sie verloren gegangen sind auf dem Weg in die Zukunft, eine Zukunft, für die Bildung, Globalisierung, Zuwanderung, Integration und viele andere Schlagworte stehen.

Dem gegenüber stehen Ängste um den Wert als Mensch in unserer Gesellschaft, das Selbstwertgefühl, die Unsicherheit, überhaupt der Ärger, dass die Politik Sympathie und Antipathie so verteilt, wie es aus politischen Motiven gerade geboten ist.

Die Herausforderung im Umgang mit den Ängsten der Menschen besteht darin, dass wir nicht untauglich politisch daherreden, sondern uns dem Menschen nähern, sich mit seinem Schicksal und seinen Ängsten auseinandersetzen. Das fällt besonders schwer, da wir dann einen Menschen kennenlernen sollen, den wir nicht mögen. Wir mögen seine Lebensumstände nicht, nicht sein Denken, nicht seine Umgangsformen.

Verweigern wir dem Menschen, dem Nachbar, der Mitbürgerin, dem Mitbürger die Wertschätzung als Mensch in seinen Lebensumständen, wird er sich weiterhin in seiner irrigen Annahme festigen, dass nur der übersteigerte Nationalismus ihm die Gelegenheit bietet, verlorengegangene Persönlichkeit zurückzugewinnen.

Die Politik kann hierbei nur begrenzt, wenn überhaupt unterstützend tätig werden. Exemplarisch die angestrebte Befreiung von den Kindergartengebühren wird gerade denen keine weitergehende Entwicklung ihrer Person ermöglichen, die einerseits bisher aus finanziellen Gründen von der Beitragszahlung freigestellt waren und andererseits die aus der Betreuung der Kinder gewonnene Zeit für den Beruf nicht benötigen, weil der Arbeitsmarkt sie nicht benötigt.

Daher sind kommunale gemeinnützige Organisationen aller Art aufgerufen, den Mensch in den Vordergrund zur rücken, um sein Weltbild und den Blick auf sich selbst korrigieren zu helfen. Sich der Emotion annähern durch Emotion.

Es gibt in Hochheim noch keinen Ortsverband der AfD. Richten wir alle unsere Anstrengungen darauf aus, dass dies so bleibt.

 

 

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