Der Barde und der Babbeler

Wer erben kann, kann auch gießen…

Es war eine gelungene Veranstaltung und eine an Kontrasten reiche dazu. Im vollbesetzten kath. Vereinshaus trafen sich der Barde und der Babbeler. Zum wiederholten Mal boten Heribert Schlosser und Joachim Munck ein Programm, welches die persönlichen Fähigkeiten beider bestens zur Geltung brachte.

Hier der Barde, Heribert Schlosser, er feiert in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum. Es begann auf den Brettern der Bühne im kath. Vereinshaus anlässlich der Kolpingfastnacht. In unnachahmlicher Manier gelingt es ihm immer wieder, Welthits der 60er Jahre mit Mundarttexten zu neuer Popularität zu verhelfen. Gerade dann, wenn die originären Lieder über einen geringeren Bekanntheitsgrad verfügen.

Dort Joachim Munck, pointierter Redner in der Kolpingfastnacht, wortgewandter Stadtführer durch die Geschichte Hochheims und eigentlich noch Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens. Er ist um keine spontane Formulierung verlegen. Als Bürgermeister Westedt mit Beginn des zweiten Teils nicht mehr auf seinen exponierten Platz in der ersten Reihe zurückkehrte, war ihm dies eine willkommene Gelegenheit für einen süffisanten Kommentar.

foto-08-10-16-19-48-15Schlosser eröffnete das Programm mit einem melodischen Gang durch die Straße Hochheims, welche die Altstadt mit den später gewachsenen Teilen verbindet, die Weiherstrasse von Süd nach Nord. Sie ist Einkaufsstraße und gleichzeitig die zentrale Verbindung zum Marktgelände. Schlosser eröffnet bei den Zuhörern sofort das Kopfkino für eine kleinstädtische Idylle, alteingesessene Einzelhändler, zu denen immer eine persönliche Bindung bestand. Viele im Saal bekundeten durch ihren Beifall, dass vieles noch vertraut und in den Gedanken präsent ist.

In einer gekonnten Überleitung gelang es ihm, den Babbeler in das Programm einzuführen mit der Frage: „Was ist denn in Hochheim so alles passiert, was Munck lapidar beantwortete: „Der Aldi hat umgeräumt.“ Es folgte das trefflich beschriebene Leiden des Mannes als Wochenendeinkäufer, der sich nicht zurechtfindet und nach stundenlangem hilflosen Suchen und wiederholten Telefonaten mit der Frau scheitert, auch deshalb, weil zwischenzeitlich die begehrten Waren ausverkauft sind.

Auch die große Politik vermochte er auf das Überschaubare zu reduzieren. Wenn Wicker aus dem Rheingau austrete, vergleichbar den Engländern aus der EU, wäre das dann wohl der Wixit. Gleich darauf beschrieb er den bedrückenden Teil, wenn ein nationalistisch gewordenes Frankreich aus der EU austreten würde. Dann wäre wohl für einen Besuch in der Partnerstadt LePontet wieder ein Visum zu beantragen.

Erneut Schlosser im nächsten musikalischen Zyklus erinnerte mit einer getragenen Melodie an das alte Hochheim, mit dem Mundarttitel „Annodazumal“. In bester Mundart besang er Fastnacht im Kaiserhof, die legendäre Tanzkapelle „Tivoli“ und vieles anderes, das zwischen ihm und den Zuhörern Identität stiftete.

foto-08-10-16-19-39-08Seinen großen Auftritt hatte er nach der Pause, als er in großer Besetzung mit Schlagzeug, Trompete, Saxophon Klavier, Kontrabass und Sängerinnen und Sängern eine neue Komposition des Hochheimer Liedes in Mundart präsentierte, befreit von allen Schunkelrhythmen. Das Publikum forderte unmittelbar eine Zugabe, so dass die Uraufführung sofort ein zweites Mal zum Besten gegeben wurde.

Mit Eddy Weins, dem Überraschungsgast, verbindet ihn eine musikalische Freundschaft seit 25 Jahren, daher war es diesem eine Freude, gemeinsam mit Schlosser zu musizieren.

Schlosser war es auch, der daran erinnerte, dass der Abend an den umtriebigen und früh verstorbenen Mäzen, Dr. Gerold Buschlinger, erinnern solle. Nachdrücklich formulierte er, dass es das Bestreben zahlreicher Hochheimer Bürgerinnen und Bürger sei, nach Buschlinger eine Straße zu benennen. Zeitnah wolle Schlosser sein Anliegen an den Magistrat richten.

Munck folgte den beiden und zog das Publikum sofort wieder in seinen Bann, als der wortreich die kleinen Missgeschicke des Alltags beschrieb. Schallendes Lachen begleitete sein hoffnungsloses Bemühen, den flüssigen Honig auf ein bereitliegendes Brötchen aufzutragen. Der gesamte Raum bekam vom Honig etwas ab, nur das Brötchen nicht.

Aber auch die Verpflichtung der Nachkommen für das ehrende Andenken der verstorbenen Angehörigen brachte er mit einem Satz auf den Punkt: „wer erben kann, kann auch gießen.“

Seinen Auftritt beendete er mit guten Ratschlägen an Leserbrief schreibende Zuschauer, die ihn nach dem letzten Auftritt erreichten. Einem farbenblinden Wohnungseigentümer, der immer die falsche Mülltonne zum Leeren bereithielt, empfahl er darauf zu drängen, dass farbenblinde Müllmänner eingestellt werden. Einem ein öffentliches Amt bekleidenden Kommunalpolitiker, der seine Pressepräsenz steigern möchte, riet er, Herrn W. zu engagieren als Manager, dass dieser den BERliner Platz umgestalte. Dann wäre  dem Kommunalpolitiker eine Schlagzeile nach der anderen gewiss.

Gemeinsam mit Schlosser bewies Munck auch musikalisches Talent, als er am Klavier sitzend, gemeinsam mit ihm rappte.

foto-08-10-16-19-35-33-1Günter Hück, Vorsitzender des Fördervereins für das kath. Vereinshaus, dankte den Akteuren und gleichermaßen den zahlreichen Helfern, die sich sämtlich unentgeltlich engagierten, damit der Förderverein seinen satzungsgemäßen Zweck erfüllen könne.

Im Gespräch machte Hück deutlich, dass der Verein einmal jährlich im kath. Vereinshaus durch eine Veranstaltung Einnahmen erzielen müsse, damit die Betriebskosten für das Vereinshaus durch den Förderverein finanziert werden können. Hück hatte sich dessen ungeachtet im Vorfeld dagegen ausgesprochen, das Programm des Barden und des Babbelers wiederholt anzubieten, da er die Nachfrage dafür nicht sah. Für das kommende Jahr beginne nun die Suche nach einem neuen Format.

Am Ende waren Publikum, Veranstalter, ebenso Schlosser und Munck allesamt zufrieden über einen gelungenen Abend. Und noch eine Erkenntnis reifte: Wer in der ersten Reihe sitzt, sollte bis zum Ende bleiben.

Ein Gedanke zu „Der Barde und der Babbeler

  • 15. Oktober 2016 um 8:58
    Permalink

    Ich habe es sehr bedauert, daß ich die beiden jungen ( relativ Alten)
    Hochhemmer nicht erleben konnte. Es ist für mich ÄLTERER! immer
    ein Erlebnis an JUNG- und – ALT HOCHHEMM erinnert zu werden.

    MACHT WEITER SO IHR BEIDEN ( DREI )!

    M.h.G.

    Antwort

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