in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland befürwortet ein Social-Media-Verbot
Frankfurt am Main, 6. Oktober 2026. Jugendliche haben ein ambivalentes Verhältnis zu sozialen Netzwerken. Zwar gehören Social-Media-Portale wie Instagram, TikTok oder YouTube für viele Jugendliche zum Alltag. Gleichzeitig nehmen sie auch die Schattenseiten der Plattformen wahr.
Das zeigt der Social-Media-Report der Techniker Krankenkasse (TK) mit Teilergebnissen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Für den Report wurden Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihren Erfahrungen mit sozialen Netzwerken befragt. Demnach nutzen 99 Prozent der Kinder und Jugendlichen Social Media täglich.
Die meisten (86 Prozent) empfinden, dass ihnen soziale Netzwerke guttun oder sehr guttun. Gleichzeitig befürwortet etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten ein Verbot der Nutzung: Davon sprechen sich sechs Prozent für ein generelles Verbot für Kinder und Jugendliche aus und 46 Prozent für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter; sie sprechen sich im Durchschnitt für eine Altersgrenze von 14 Jahren aus. 43 Prozent lehnen ein Verbot ab.
Warum Medienkompetenz immer wichtiger wird
„Der Report zeigt, dass Jugendliche die Chancen und Risiken von Social Media durchaus differenziert wahrnehmen. Sie schätzen Unterhaltung, Inspiration und den unkomplizierten Austausch mit Freundinnen und Freunden.
Gleichzeitig erleben sie Fake News, Cybermobbing, Beleidigungen sowie unerwünschte Bilder und Videos als problematisch. Umso wichtiger ist es, Jugendliche frühzeitig zu einem bewussten und reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu befähigen.
Medienkompetenz hilft ihnen, digitale Inhalte und Situationen sicher einzuschätzen und Social Media so zu nutzen, dass ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden geschützt bleiben“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.
Was stresst und nervt Jugendliche an Social Media?
Ein Drittel der Jugendlichen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (33 Prozent) nutzt soziale Medien täglich mindestens drei Stunden oder länger. Fast ebenso viele Befragte (31 Prozent) empfinden es als störend, dass sie in den sozialen Netzwerken zu viel Zeit verbringen. Zudem ist für viele die Menge an Werbung problematisch (59 Prozent).
Auch Fake News (44 Prozent), Mobbing und Beleidigungen (35 Prozent) sowie unangemessene Bilder und Videos (30 Prozent) zählen zu den Aspekten, die Jugendliche an Social Media als belastend wahrnehmen.
Was sind häufige gesundheitliche Auswirkungen?
Der TK-Report zeigt außerdem, dass eine intensive Nutzung sozialer Medien mit einer höheren psychischen Belastung einhergehen kann. Beispielsweise berichten Jugendliche bundesweit, die täglich vier Stunden oder mehr Social Media nutzen, häufiger von schlechter Laune (49 Prozent), Unsicherheit oder Zweifel bei Entscheidungen (41 Prozent), Unzufriedenheit mit sich selbst (40 Prozent) und Erschöpfung (39 Prozent).
Zwar lässt sich auf Basis der Befragung kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Die Ergebnisse weisen jedoch auf einen Zusammenhang hin, der auch in aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen beschrieben wird.
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit
Der Psychologe und Neurowissenschaftler Christian Montag erklärt: „Es wird in der Wissenschaft diskutiert, ob eine suchtähnliche Nutzung sozialer Medien depressive Verstimmungen, Angststörungen, Schlaf- oder Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper begünstigen kann.
Das bedeutet nicht, dass soziale Medien grundsätzlich psychisch krank machen. Die Befunde zeigen jedoch, dass eine intensive oder problematische Nutzung die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen kann. Das Risiko kann insbesondere erhöht sein, wenn junge Menschen eher wenig organisiert sind oder emotional besonders empfindlich auf Belastungen reagieren.
Deshalb ist ein bewusster Umgang mit sozialen Medien besonders wichtig“, so Montag. Auch aus seiner Sicht ist Medienkompetenz unabdingbar und darüber hinaus die gesamte Gesellschaft gefordert, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu schützen.
Gemeinsam mit den Plattformbetreibern gelte es, einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, der die positiven Möglichkeiten sozialer Medien unterstützt und zugleich Risiken wie suchtfördernde Algorithmen wirksam begrenzt, so Montag.
Was wünschen sich die Jugendlichen selbst?
Um Social Media gut und sicher nutzen zu können, gibt es aus Sicht der Jugendlichen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Unterstützungsangebote, die helfen würden: Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) nennt im TK-Report beispielsweise Lernvideos zu den Risiken sozialer Medien, die direkt auf den Plattformen angeboten werden und fast jede und jeder Zweite (47 Prozent) wünscht sich ausgebildete Ansprechpersonen an der eigenen Schule, an die sie sich bei Fragen wenden können.
Zudem sprechen sich die Befragten für Workshops und Kurse (47 Prozent), häufigere Gespräche mit ihren Eltern (39 Prozent) oder andere, leicht erreichbare Hilfsangebote (34 Prozent) aus. Lediglich jede und jeder Zehnte (10 Prozent) ist der Ansicht, keine Unterstützung zu benötigen.
Hörtipp: „Social-Media-Sucht verstehen“ – ein Podcast der HLS
Wer bei sich selbst oder anderen Anzeichen einer problematischen Mediennutzung beobachtet, findet im Podcast „Social-Media-Sucht verstehen“ der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) Informationen und Anregungen zur Selbsthilfe.
Darin erläutert Christian Montag, Distinguished Professor of Cognitive and Brain Sciences und Associate Director des Institute of Collaborative Innovation an der University of Macau, wie soziale Medien funktionieren, warum es vielen Menschen schwerfällt, sie wieder aus der Hand zu legen, und ob Social Media tatsächlich abhängig machen kann. Außerdem geht er darauf ein, wer besonders gefährdet ist und wie eine gesundheitsfördernde Plattform gestaltet sein könnte.
Der Podcast „Social-Media-Sucht“ ist die dritte Staffel des von der TK geförderten Podcasts „Mediensucht verstehen“. Die ersten Folgen der neuen Staffel sind gerade erschienen und auf dem YouTube-Kanal @webcareplus sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Weitere Angebote der TK zum Thema Medienkompetenz gibt es hier.
Hinweis für die Redaktion
Für die Online-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut eye square im April und Mai 2026 bundesweit insgesamt 1.400 Personen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit 200 Personen pro Ländergebiet mit anschließender Proportionalisierung der Gesamtergebnisse.
Die Stichprobe entspricht einem repräsentativen Abbild dieser Altersgruppe in Deutschland. Die in dieser Pressemitteilung zitierten Teilergebnisse beziehen sich auf die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland.








