Katjas-Chance

In den vergangenen zwei Wochen habe ich euch erzählt, wie ich im Moskauer Pirogov Hospital angekommen bin und wie schön ich dort meine Stammzelltransplantation als meinen zweiten Geburtstag feiern durfte. Für alle, die jetzt erst „einschalten“ 😉 : Im November habe ich einen Spendenaufruf gestartet, der von sehr, sehr vielen Menschen in nur 8 Wochen mit über 50.000€ beantwortet wurde. Das ist einfach unfassbar. Und so konnte ich Mitte Februar in eine Spezialklinik nach Moskau fliegen, um mein fehlgesteuertes Immunsystem zu löschen, neu aufzubauen und die Chance auf ein MS-freies Leben erhalten.

In diesem Teil erzähle ich nun von der Isolationsphase.
Nachdem ich meine zuvor entnommenen Stammzellen zurück erhalten habe, ging ich den übernächsten Tag in Isolation, am 08.03.2019 – übrigens internationaler Frauentag! Was das schon wieder für Zufälle sind… die Welt ehrt und feiert die Frau und ich werde in Isolation geschickt 😉 Fängt ja super an mein neues Leben :)) Türe zu!

Mask Mode! Maske tragen!

Isolation – wie  läuft das eigentlich ab?
Isolation, wie muss man sich das vorstellen? Ich hatte mit einem sterilen und kahl gefließten Raum gerechnet, in dem lediglich ein Bett und wenn ich richtig viel Glück habe, ein Fenster zu finden ist.
Aber so schlimm war es nicht, sondern eher wie Stubenarrest… Ich blieb in meinem Zimmer, lediglich die Koffer wurden entfernt. Ansonsten blieb mir alles erhalten. Es war also richtig gemütlich. Vor allem in meinem Buddha-Outfit was ich von nun an jeden Tag tragen sollte.

Stemmcell-Buddha hang loose… die Klamotte war auf jeden Fall entspannt.

Und langweilig war es bei Weitem nicht. Immer wieder kamen unterschiedliche Schwestern herein, um mich zu wiegen, Fieber zu messen, Blut abzunehmen, zu putzen, Essen zu bringen, etc. Aber natürlich hielten sich die Schwestern nicht auf und durch die Sprachbarriere wäre sowieso Plaudern nur über eine App möglich gewesen.

Die Zellen sterben: Haarausfall
Während der Isolation wurde die Wirkung der Chemotherapie dann deutlich: meine Haare fielen aus. Diese hatte ich mir vorher bereits abrasiert, damit das möglichst sauber abläuft.

Haarausfall

Nun war mir selbst also klar: die Chemotherapie hatte die Zellen tatsächlich zerstört, sie sterben ab. Ich war nicht erschrocken, ich war wirklich erleichtert… Meine Haare werden wieder wachsen – aber die Behinderung wird gestoppt!

Quälender Heißhunger
Ich hattte zwar keine Langeweile, aber ich blieb alleine mit meinen Eindrücken – und mit meinem: Heißhunger! Ich hatte noch niemals zuvor so einen wirklich quälenden Heißhunger auf Süßigkeiten und ein Käsebrot. Ich bekam überwiegend Blumenkohl, Kartoffeln (ohne Sauce), jede Menge Haferschleim. Das was ich wirklich sehr mochte war der Mittagssnack: Bratäpfel und ein Stück Rindfleisch:

Mein Lieblingsessen während der Isolation

Nachts hielt mich der Heißhunger wach. Von meinen Stammzellgeschwistern weiß ich, dass das normal ist und man regelrecht durchdreht. Leider war da niemand, der mich während der Isolation besucht hat, um mir etwas zu bringen. Meine Stammzellschwester Stina aber hatte ihren Mann vor Ort, der dann für uns beide zum Supermarkt ging und mir eine riesige Tüte Schokoladenbonbons mitbrachte. Immerhin einen halben Tag Rettung!

Ein halber Tag Rettung 🙂

Übrigens werden die Einkäufe von den Schwestern dann vorab nochmal sortiert in Dinge, die während der Isolation erlaubt sind oder eben nicht. Schokoladenbonbons waren erlaubt!

Besuch erlaubt!
Die Angehörigen sind besonders während der Isolationszeit wichtig. Denn das ist nicht nur die Zeit, in der man Schokoloden-Lieferanten braucht, sondern vor allem Gesprächspartner, weil einem wirklich sehr viele Gedanken durch den Kopf schwirren. Deshalb ist vor dem Zimmer ein Zwischenraum und in der zweiten Krankenzimmertür ein Fenster eingebaut 🙂 Besuch durch die Scheibe ist also kein Problem.
Ich hatte meine Stammzellschwester Stina im Zimmer nebenan und wir haben per Videochat telefoniert. So hab ich das auch mit Freunden Zuhause gemacht, was wirlich sehr gut tat.

Vielen lieben Dank an so viele Menschen zuhause, die mich begleitet haben
Außerdem waren da die vielen lieben Karten und Glücksbringer von so vielen Menschen, die ich während meiner Spendenaktion erhalten habe. Besonders während der Isolation vermittelten mir diese Geschenke Nähe und Unterstützung!

Liebe Wünsche neben meinem Notknopf

 

Glückwunschkarten mit lieben Texten

Meine Kusine und meine beste Freundin bastelten mir mit so viel Liebe jeweils ein Buch mit persönlichen Fotos und Gegenständen 🙂 Und all die Talismänner begleiteten mich während der Isolation auf meinem Nachttisch.

Kraftbücher und Talismänner

Isolation beendet!
Und nach 1 Woche war die Isolation vorbei. Und ich wusste, jetzt geht es in drei Tagen nachhause.
Zuvor aber bekam ich noch Besuch des Kamerateams RTL Hessen. Und jippie!!! Die haben mir richtig doll viele Süßigkeiten mitgebracht :)) Und ein bisschen etwas für die Reportage gedreht, die aktuell in fünf Teilen um 18 Uhr im RTL Hessen ausgestrahlt wird.

Lustig war’s 😉

Es ist eine wunderschöne Reportage mit der ich mich absolut identifiziere und für die ich RTL Hessen und vor allem dem Redakteur Rafael Fleischmann sehr dankbar bin, weil er sich wirklich mit viel Herzblut dieser Sache angenommen hat.

Charlotte Maihoff und zwei russische Kollegen

Diese 30min Reportage kommt ins Album 🙂 Sie ist sooo schön geworden. Ich werde sie euch nächsten Mittwoch hier einstellen!

Bis dahin viele liebe Grüße und esst fleißig Eis bei dem Wetter – Eis macht glücklich und glücklich hält gesund! 😉

Eure Katja

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