Gräben und Lanzenspitze aus der Römerzeit – Archäologische Untersuchungen am Landratsamt führen jahrtausendealte Relikte zutage

(jol/mtk) – Bei archäologischen Grabungen auf dem Gelände des Landratsamtes sind Gräben und Relikte aus der Römerzeit gefunden worden. Wie Landrat Michael Cyriax mitteilt, liefen die Untersuchungen im Zuge der Erweiterung des Gebäudes der Kreisverwaltung. „Auf diese Weise trägt die Erweiterung zur geschichtlichen Erforschung der 2000 Jahre alten Vergangenheit Hofheims bei“, fasst der Landrat zusammen. Durchgeführt wurden die Grabungen in Begleitung des Landesamtes für Denkmalpflege. Bis im Herbst die Bauarbeiten am früheren künstlichen Löschteich beginnen, sollen weitere Untersuchungen folgen.

Bei den Grabungen wurde unter anderem ein bereits vermuteter Graben des alten römischen Erdlagers entdeckt, zudem möglicherweise ein Palisadengraben. Die Arbeiten förderten zudem zahlreiche Keramikfragmente und Metallobjekte zutage – unter anderem eine eiserne Lanzenspitze, eine Silbermünze, eine bronzene Scheibe und ein bronzener Ring.

Bei der Erkundung des Terrains setzten die Fachleute unter anderem Drohnen und Metalldetektoren ein. Die gefundenen Gräben wurden zur Dokumentation der Profile geschnitten. Anschließend wurde der Grabeninhalt ausgenommen, was unter anderem die dreidimensionale Dokumentation der ursprünglichen Gräben ermöglicht.

An der Stelle des heutigen Landratsamtes, strategisch günstig an einer regionalen Straße gelegen, hatten die Römer spätestens um 40 n. Chr. ein erstes Erdlager errichtet. Sie ersetzten es zunächst durch ein Kastell mit Holztürmen und einer Mauer aus Grassoden; dieses wiederum durch ein Steinkastell. Zusammen mit anderen Lagern in der Region spielte es eine wichtige Rolle bei der Offensive gegen die Chatten. Rund 50 Meter südlich des Steinkastells war ein Lagerdorf angelegt. Zur Versorgung der rund 500 Soldaten lebten hier Handwerker, Händler und andere Gewerbetreibende. Das Kastell wurde 110 n. Chr. geräumt, das Dorf etwas mehr als hundert Jahre später. 1987 wurde auf dem so genannten Hochfeld das Landratsamt errichtet. Es soll bis Ende 2023 erweitert werden.

Relikte aus der Römerzeit waren auf dem Gelände bereits vor Errichtung des Landratsamts gesichert worden. Von den aktuellen Grabungen versprechen sich die Experten weitere Erkenntnisse zum damaligen römischen Leben auf dem Hochfeld.

Funde beim Ablassen des Wassers aus dem künstlichen Teich am Landratsamt hatten im laufenden Jahr etwas modernere Relikte zu Tage gefördert – unter anderem eine Spielekonsole und das Schild eines Restaurants.

Titelbild: Ein Silberdenar

Bilder: Eine Tonscherbe

Bildnachweis: Dr. Dominik Meyer/ms terraconsult

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