100 Jahre Kolping Hochheim – eine lange Geschichte aus Gemeinschaft und Arbeit für gemeinsame Ziele

(kofaho) – 1922 sah die Welt anders aus und doch bewegten ähnliche Gedanken die Menschen in Hochheim: Im Schatten des Krieges, der politischen wie gesellschaftlichen Veränderungen und der sozialen Nöte vieler Menschen traten Hochheimer zusammen, um dieser Situation in erlebter Gemeinschaft, gemeinsamer Arbeit und klaren Werten für die Zukunft entgegenzutreten. Damals gründeten 17 junge Männer am 14. August 1922 in Hochheim diese Gemeinschaft, damals als katholischen Gesellenverein Hochheim, heute als Kolpingfamilie Hochheim, im Streben, dem Gründer Adolph Kolping und seinen Gedanken zu den sozialen, politischen und religiösen Fragen der Zeit, nachzueifern. Ohne die ersten beiden Ziffern der Jahreszahl könnte diese Beschreibung fast genauso auf unsere aktuelle Zeit zutreffen: ein blutiger Krieg zeichnet(e) Europa, soziale Veränderungen werden überall hitzig diskutiert und die Inflation bringt Menschen um ihren Wohlstand oder nimmt ihnen das zum Überleben Notwendige. Darum ist für Kolping Hochheim klar, dass, was damals galt, heute nichts an Relevanz verloren hat. Im kommenden Jahr wird dies als Jubiläum gefeiert, zurückgeblickt, sowie nicht zuletzt darüber diskutiert, was der Auftrag Kolping in den nächsten 100 Jahren bedeuten wird. Dazu sind alle alle Mitglieder aber auch alle Gäste, Diskussionspartner und Interessenten herzlich eingeladen.

Der Blick zurück soll hier schon einmal zeitlich, entlang einiger Stationen von 1922 bis 2022, sowie persönlich, mit Menschen aller Generationen, die zu Wort kommen, gewagt werden.

Der 14. August 1922: Im Gründungsprotokoll heißt es, dass endlich ein langgehegter Wunsch der Hochheimer Jugend in Erfüllung ging. In dieser trostlosen und turbulenten Zeit der 1920er Jahre suchten die jungen Menschen Gemeinschaft, um sich selbst und anderen zu helfen. Sie sehnten sich nach dem Halt, den die Kolping-Grundhaltungen versprachen: Gläubigkeit und Selbstvertrauen, Lebensernst und Lebensfreude, Selbstverantwortung und Solidarität, Geschichtsbewusstsein und Fortschrittswille. Kaplan Georg Pistor war die treibende Kraft, einen eigenen Hochheimer Gesellenverein zu gründen mit den Gründungsmitgliedern Josef Velten, Josef Munk, Josef Kossler, Hans Mohr, Phillipp Hartmann, Heinrich Schreiber, Josef Petry, Wilhelm Hofmann, Jakob Munk, Willi Boller, Nikolaus Messer, Paul Siegfried, Karl Siegfried, Josef Merkel, Philipp Schreiber, Clemens Herbst.

  1. Oktober 1934: Am Stiftungsfest rund 10 Jahre nach Gründung war Kolping eine etablierte Gemeinschaft, aber die Zeiten hatten sich grundlegend geändert und die Nationalsozialisten hatten die Macht in Deutschland ergriffen. Der Gesellentag 1933 in München wurde von den Machthabern zerschlagen. Einem ersten Verbot folgt die Umstrukturierung nach dem „Führerprinzip“ mit der Einteilung der Mitglieder mit einem jeweiligen Vorsteher. Um Vereinsverbot sowie Gleichschaltung zu vermeiden, erfolgte dann die Umbenennung in Kolpingfamilie (statt Gesellenverein). Dennoch wehrte sich Kolping im Kleinen, führte dem Himmler-Erlass zum Trotz immer wieder die Kolping-Fahne öffentlich mit. Später erliegt im Krieg das Vereinsleben völlig.

Wallfahrt nach Köln, zuletzt 2012: Ein Kernbaustein des Kolping-Programms waren immer gemeinsame Bildungs- und Wallfahrten, wie an das Grab des Gründers Adolph Kolping in der Minoritenkirche in Köln, zuletzt 2012. Darüber hinaus führten und führen viel Fahrten jedes Jahr zu Studienfahrten z.B. zu Theateraufführungen durch Deutschland und Europa. Die Bildungsarbeit steht hier immer im Zentrum, Kolping setzt sich tatkräftig für lebenslanges Lernen ein. Hier stehen regelmäßige politische, soziale, kulturelle Themen auf dem Programm.

Kolping Hochheim heute (aktuelle Mitgliederzahl 30.6.2022: 716, damit eine der größten Kolpingfamilien Deutschlands und der Welt): Heute hat sich viel getan, Frauen sind schon seit Jahrzehnten Mitglieder, auch die katholische Konfession ist schon längst keine Voraussetzung mehr. Das neue Leitungsteam um Tobias Friedrich, Beate Preis und Marlise Rosemeier treiben auch heute die gleichen Gedanken um aktive Pflege der Gemeinschaft, Solidarität mit den Schwachen und Arbeit an und nach gemeinsamen Werten basierend auf einem christlichen Fundament an. Das neue Programm nach Corona besinnt sich wieder auf klassische Säulen wie Bildung, Gemeinsinn und Solidarität und nicht zuletzt die kulturellen Traditionen wie die Hochheimer Fassenacht. Im Alltag steht auch der Austausch im Verbund der Kolpingfamilie im Vordergrund. Das Team geht aber auch viele neue Wege: mehr Mit-machen, Mit-reden und natürlich weiterhin volle Unterstützung für Kolpings internationale Partnerschaftsprojekte wie das Projekt „100 Ziegen für Afrika“, mit dem Kolping Hochheim zum Jubiläum kleinbäuerliche Landwirtschaft in Afrika unterstützt.

Was Kolping für jeden, der mitmacht bedeutet, dies zeigen beispielhaft die folgenden Perspektiven – die nächsten 100 Jahre werden zeigen, wie es weiter geht.

Was ist Kolping für mich, für uns? 3 Perspektiven aus drei Generationen

Elias Bergmann, 11 Jahre, Mitglied seit 2011

Ich bin Elias und bin 11 Jahre alt. Ich bin in die Kolpingfamilie Hochheim eingetreten „worden“, als ich noch ein Baby war. Ich verbinde damit Veranstaltungen, die mir Spaß machen, hier vor Ort in Hochheim oder im DV Limburg. Manchmal helfe ich auch meinem Papa, wenn er etwas für die „jungen Familien“ organisiert. Ich helfe gerne bei der Altkleidersammelaktion. Dabei habe ich das Gefühl einen guten Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Bei Prozessionen trage ich gerne das Kinderbanner. Ich mag die Natur und beschäftige mich gerne mit Umweltschutz. Dazu haben wir schon ein paar tolle Aktionen gemacht, z.B. Nistkästen oder das Insektenhotel beim Weingutschreiber gebaut. Außerdem lernt man hier nette Leute kennen.

Karl-Heinz Saal, 80 Jahre, Mitglied seit 1964:

Folgendes Zitat von Adolph Kolping war der Beweggrund Kolping beizutreten:

„Das Familienleben ist wichtiger als alle Macht der Mächtigen“. Diesem versuchte ich zu folgen, begonnen mit meiner Heirat Anfang 1964. Das Familienglück vervollständigte sich mit der Geburt des ersten Sohnes im Nov. 1964. Somit war das Familienleben wichtiger als alles andere, und im Dez. 1964 bin ich Kolpingmitglied geworden.

Familie Unverricht: Warum bin ich bei Kolping? Eine Familie mit 5 Sichtweisen

Theresa: Die Möglichkeit, mit den Jugendgemeinschaftsdiensten Kolping in Tansania zu erleben, war einzigartig und eine wertvolle Erfahrung für mich.

Elias: Mir haben die Familienwochenenden in Herbstein immer supergut gefallen.

Sebastian: Während einer Weiterbildung konnte ich im Pings-Azubicampus von Kolping in Fulda wohnen. Das war eine tolle Erfahrung von Gemeinschaft.

Christof: Die Internationalität von Kolping, die weltweit verbindet!

Monika: Die Vielfalt in unserer Gemeinschaft: jeder – ob groß oder klein – kann mitmachen und etwas beitragen z.B. bei der Altkleidersammlung, bei Aktionen der verschiedenen Gruppen, bei Fassenacht, beim Hoffest

Texte: Elias Bergmann, Karl-Heinz Saal, Familie Unverricht, Manuel Feldmann, Heinz Schlosser

Titelbild: Wallfahrt nach Köln

Bild: Karl-Heinz Saal

Bild: Familie Unverricht

Bildnachweise: Tobias Bergmann, Karl-Heinz Saal, Familie Unverricht, Heinz Schlosser

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