Interview mit Beate Hüls von HandmadeART

Interview mit Beate Hüls Organisatorin der beliebten HandmadeART in Hochheim, Hofheim 9.8.26, Bad Vilbel und weiteren Orten.

Das Interview fand im Vorfeld der sechsten HandmadeART in Hochheim statt. Die Besucherinnen und Besucher sind trotz der ungeheuren Hitze Vorbeigekommen haben den Sprühnebel, ein Eis von N’ice oder ein kühlendes Getränk genossen und haben die Ständchen und die Atmosphäre genossen. Seit der Premiere 2021 sind viele Besucherinnen und Besucher vom Flair und dem Angebot dieses besonderen Kunsthandwerkermarktes begeistert und freuen sich schon jetzt auf den nächsten Juni. Hoffentlich bei weniger belastenden Temperaturen.

In mehreren Gesprächen wurde ich gefragt, wer eigentlich hinter diesem Konzept steckt und so habe ich – als Fan der Veranstaltung – einfach die Organisatorin befragt und möchte dies mit Ihnen teilen.

Zwölf Fragen – zwölf Antworten

1. Frau Hüls, die HandmadeART findet 2026 bereits zum sechsten Mal statt – welche Meilensteine haben die Entwicklung des Marktes aus Ihrer Sicht besonders geprägt?

Die HandmadeART als “Marke“ gibt es bereits seit 2017. Ich antworte ihnen nachstehend in Bezug auf Hochheim.
Besonders geprägt wurde ihre Entwicklung durch die kontinuierlich hohe Qualität und Vielfalt der angebotenen Produkte. Rund die Hälfte der Aussteller ist seit der ersten Veranstaltung dabei und präsentiert regelmäßig neue Kollektionen sowie kreative Weiterentwicklungen ihres Handwerks.

Gleichzeitig ist es uns wichtig, jungen Labels und Manufakturen eine Plattform zu bieten. Sie bringen frische Ideen und neue Impulse in den Markt ein. Um diesen Nachwuchs gezielt zu fördern, haben wir 2025 das Newcomer-Projekt ins Leben gerufen. Damit unterstützen wir aufstrebende Kreative dabei, erste Erfahrungen im Marktumfeld zu sammeln und ihre Produkte einem breiteren Publikum vorzustellen.

2. Was war ursprünglich Ihre Motivation, die HandmadeART ins Leben zu rufen, und welche Vision verfolgen Sie heute mit dem Format?

Die Idee zur HandmadeART entstand aus einem ganz persönlichen Wunsch heraus. Ich lebe in Hofheim am Taunus, einer wunderschönen Stadt, und habe damals ein Angebot vermisst, das hochwertiges Kunsthandwerk, Design und handgefertigte Produkte in den Mittelpunkt stellt. Daraus entstand der Gedanke: Wenn es einen solchen Markt nicht gibt, dann schaffe ich ihn selbst.

Mit der ersten HandmadeART in Hofheim legten wir den Grundstein für das Format. Gestartet sind wir mit rund 40 Ausstellern, heute präsentieren sich dort bereits etwa 80 kreative Manufakturen, Designer und Kunsthandwerker. Die große Resonanz hat gezeigt, dass viele Menschen die Begeisterung für handgemachte und individuelle Produkte teilen.

Meine Vision hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt: Die HandmadeART soll weiterhin eine Plattform für Qualität, Kreativität und persönliches Handwerk sein. Gleichzeitig möchte ich Ausstellern die Möglichkeit geben, ihre Arbeit einem interessierten Publikum zu präsentieren und neue Kunden zu gewinnen. Heute ist die HandmadeART in mehreren Städten fest im Veranstaltungskalender etabliert – und genau das erfüllt mich mit großer Freude und Motivation, das Format kontinuierlich weiterzuentwickeln.

3. Hochheim, Hofheim, Bad Vilbel – Sie bespielen gezielt Städte mit hoher Lebensqualität und Kaufkraft. Ist die HandmadeART auch ein bewusst kuratiertes Gegenmodell zur anonymen Innenstadt?

Ja, durchaus. Wir wählen unsere Standorte bewusst aus. Städte wie Hochheim, Hofheim oder Bad Vilbel zeichnen sich nicht nur durch eine hohe Lebensqualität aus, sondern auch durch Menschen, die Qualität, Individualität und Nachhaltigkeit schätzen.

Die HandmadeART steht für Produkte mit Geschichte, für echtes Handwerk und für den direkten Austausch zwischen Ausstellern und Besuchern. Wer bei uns einkauft, lernt die Menschen hinter den Produkten kennen, erfährt etwas über die Herstellung und entdeckt Unikate, die man nicht in einer großen Handelskette oder beim Discounter findet.

In einer Zeit, in der vieles anonym und austauschbar geworden ist, schaffen wir einen Ort für persönliche Begegnungen, Inspiration und bewusstes Einkaufen. Genau das macht für viele Besucher den besonderen Reiz der HandmadeART aus.

Besonders freut es uns, dass wir inzwischen nicht nur selbst nach geeigneten Standorten suchen, sondern auch von Städten und Kommunen angefragt werden, ob wir mit der HandmadeART das Veranstaltungsangebot und das Stadtbild bereichern möchten. Das sehen wir als große Wertschätzung unserer Arbeit und als Bestätigung dafür, dass die HandmadeART weit mehr ist als ein Markt – sie ist ein Erlebnis, das Menschen zusammenbringt und Innenstädte belebt.

4. Gerade im Rhein-Main-Gebiet konkurrieren viele Events um Aufmerksamkeit. Was macht die HandmadeART so relevant, dass Besucher gezielt anreisen – und nicht nur „zufällig vorbeikommen“?

Es ist die Atmosphäre an einem schönen Ort – zentral gelegen, gut erreichbar und ohne Eintritt. So kann jeder einfach vorbeikommen und sich inspirieren lassen. Die Erfahrung zeigt allerdings: Aus dem „Ich schaue nur mal“ wird meist mehr, denn die Qualität und Einzigartigkeit der Produkte überzeugen viele Besucher.

5. Das Thema Nachhaltigkeit wird oft betont – wie viel Substanz steckt dahinter, wenn man ehrlich auf Produktionsketten, Materialien und Preisdruck schaut?

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, aber auch ein sehr komplexes. Es gibt inzwischen viele Vorgaben und Zertifizierungen, die Orientierung geben sollen. Dennoch ist nicht immer alles eindeutig und es gibt Grauzonen.

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit nicht nur, wie ein Material ursprünglich produziert wurde, sondern auch, wie lange und sinnvoll es genutzt wird. Wenn beispielsweise aus alten Jeans neue Produkte entstehen, dann wurde die Jeans vielleicht nicht nachhaltig hergestellt. Durch das Upcycling erhält das Material jedoch ein zweites Leben und wird weiterverwendet, statt entsorgt zu werden. Auch das ist für mich ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Deshalb schauen wir bei der HandmadeART nicht nur auf Siegel, sondern vor allem auf die Ideen, die Handarbeit und den bewussten Umgang mit Ressourcen.

6. Das Newcomer-Projekt wirkt wie ein bewusstes Förderinstrument. Sehen Sie sich eher als Veranstalterin oder auch als Kuratorin und Talententwicklerin für die kreative Szene?

Eher als Kuratorin. Mir geht es nicht nur darum, eine Veranstaltung zu organisieren, sondern auch darum, kreative Talente auf ihrem Weg zu begleiten. Gerade die Teilnehmer unseres Newcomer-Projekts unterstützen wir bereits vor der Veranstaltung mit zusätzlicher Werbung und Sichtbarkeit.

Oft sind es auch die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Wir beraten bei der Standgestaltung, geben Tipps zur Warenpräsentation und teilen unsere Erfahrungen im direkten Kundenkontakt. Denn ein schönes Produkt allein reicht nicht immer aus – auch die Präsentation und die persönliche Ansprache spielen eine wichtige Rolle. Unser Ziel ist es, den Newcomern den Einstieg zu erleichtern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich erfolgreich weiterzuentwickeln.

7. Viele Ihrer Aussteller sind kleine Labels – wie stark spüren Sie aktuell den wirtschaftlichen Druck auf diese Zielgruppe, gerade in einer Region mit hohen Lebenshaltungskosten?

Sehr stark. Während der Corona-Zeit haben wir es geschafft, die HandmadeART unter allen erforderlichen Auflagen sicher durchzuführen. Zwar mit weniger Ausstellern, aber sie hatten die Möglichkeit zu verkaufen, und die Besucher waren dankbar für diese Form der Begegnung und Abwechslung. Nach Corona folgte zunächst eine gute Zeit für viele unserer Aussteller.

Aktuell spüren wir jedoch einen deutlichen wirtschaftlichen Druck. Ende 2025 haben mir einige Aussteller auf die Terminankündigungen für 2026 geantwortet, dass sie ihre Tätigkeit aufgegeben haben. Die gestiegenen Kosten machen es für viele kleine Labels und Manufakturen zunehmend schwierig, wirtschaftlich zu arbeiten.

Gleichzeitig beobachten die Aussteller auf Märkten und Messen eine größere Zurückhaltung beim Kaufverhalten. Viele Menschen müssen ihr Budget heute stärker für Miete, Energie, Mobilität und andere Lebenshaltungskosten einplanen. Dadurch wird genauer überlegt, wofür Geld ausgegeben wird. Das spüren insbesondere die Anbieter von handgefertigten Produkten und Unikaten.

8. Die HandmadeART lebt vom persönlichen Austausch. Ist das auch eine bewusste Antwort auf die zunehmende Digitalisierung und Plattformökonomie im Handel?

Absolut. Der persönliche Austausch ist ein wesentlicher Bestandteil der HandmadeART. Viele Besucher sind überrascht, wenn sie erfahren, wie viele Arbeitsstunden in einem Unikat stecken oder wie ein Produkt in einer kleinen Manufaktur entsteht. Diese Begegnungen schaffen Wertschätzung für das Handwerk – etwas, das im Online-Handel oft verloren geht.

9. Hochheim – Hummelpark, Rothenburg – Am grünen Markt, Hofheim – Am Wasserschloss, Bad Vilbel – vor dem Kurhaus bieten jeweils einen besonderen Rahmen – wie wichtig ist dieses regionale Lebensgefühl für den Erfolg der Veranstaltung?

Tatsächlich gehe ich bei der Auswahl von Städten und Standorten sehr stark nach meinem Gefühl. Natürlich spielen Atmosphäre, Lage und das Umfeld eine Rolle, aber oft gibt es auch eine persönliche Verbindung. Rothenburg beispielsweise kenne ich gut, weil meine Mutter dort gelebt hat. In Reutlingen bin ich geboren. So ergeben sich manche Standorte ganz natürlich.

Rückblickend zeigt sich aber, dass die HandmadeART besonders gut an Orten funktioniert, die Charme, Aufenthaltsqualität und ein gewisses Lebensgefühl mitbringen. Das passt einfach zu dem, wofür unsere Aussteller und ihre handgefertigten Produkte stehen.

10. Wenn Sie auf die Termine vom 28. Juni im Hummelpark bis 25. Oktober in Bretten blicken: Was wird 2026 anders oder mutiger als in den Vorjahren?

Wir lieben, was wir tun – und das trägt uns von Jahr zu Jahr. Wenn ich zum Saisonauftakt von langjährigen Ausstellern in die Arme geschlossen werde und höre: „Wie schön, dich wiederzusehen. Ich freue mich so, mit dir in die neue HandmadeART-Saison zu starten“, dann ist das für mich etwas ganz Besonderes.

Oft sagen Aussteller auch: „Deine Märkte sind immer mit so viel Liebe organisiert“, „Ich fühle mich bestens informiert“ oder „Auf deine Werbung können wir uns verlassen.“ Solche Rückmeldungen zeigen mir, dass unsere Arbeit wahrgenommen und geschätzt wird. In diesen Momenten vergisst man viele der Herausforderungen, die hinter den Kulissen zu bewältigen sind.

Ob 2026 mutiger wird als die Vorjahre? Mutig ist für mich, jedes Jahr wieder anzufangen, dranzubleiben und sich weiterzuentwickeln – gerade in Zeiten, die für viele kleine Manufakturen und Kreative nicht einfacher werden. Genau diesen Weg werden wir auch 2026 mit voller Überzeugung weitergehen.

11. Ihre Eventreihe zieht sich durch das ganze Jahr bis zur Christmas Edition in Hofheim. Denken Sie die HandmadeART inzwischen als Ganzjahresmarke statt als einzelne Märkte?

Ja, die HandmadeART ist längst mehr als eine einzelne Veranstaltung. Sie hat sich zu einer Ganzjahresmarke entwickelt, die Aussteller und Besucher über das gesamte Jahr begleitet – vom Saisonauftakt bis zur Christmas Edition.

Besonders freut mich, dass wir 2027 bereits unser 10-jähriges Jubiläum feiern werden. Wenn ich auf die Entwicklung seit 2017 zurückblicke, erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit. Die HandmadeART ist kontinuierlich gewachsen und hat sich zu einer festen Größe für kreative Manufakturen, Designer und Liebhaber handgefertigter Produkte entwickelt.

12. Hand aufs Herz: Wo sehen Sie die größten Risiken für Formate wie die HandmadeART in den nächsten fünf Jahren – und wie begegnen Sie diesen strategisch?Die größten Risiken sehe ich im zunehmenden Verlust von Handwerk und in der Frage, ob hochwertige, handgefertigte Produkte für viele Menschen künftig noch bezahlbar bleiben. Gleichzeitig stehen kleine Manufakturen und Kreative unter einem immer stärkeren wirtschaftlichen Druck.

Deshalb ist mir ein gutes und partnerschaftliches Miteinander mit unseren Ausstellern besonders wichtig. Wir versuchen, die Standgebühren möglichst stabil zu halten, damit die Teilnehmer nicht jedes Jahr mit neuen Kostensteigerungen konfrontiert werden. Darüber hinaus schaffen wir zusätzliche Mehrwerte. So bieten wir unseren Ausstellern beispielsweise die Möglichkeit, kostenlos über unsere Social-Media-Kanäle Werbung zu machen. Seit diesem Jahr konnten interessierte Aussteller an einer entsprechenden Kampagne teilnehmen, aus der bereits viele schöne Beiträge entstanden sind. Dieses Angebot werden wir weiter ausbauen – die Kosten dafür tragen wir, denn unser Ziel ist es, unsere Aussteller bestmöglich zu unterstützen.

Die HandmadeART war von Anfang an mein Herzensprojekt. Und genau mit dieser Leidenschaft werde ich auch in Zukunft alles dafür tun, Handwerk, Kreativität und die Menschen dahinter sichtbar zu machen.

AHA: Vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit gegeben haben Sie ein bisschen sichtbarer zu machen und weiterhin viel Erfolg.

v.li. Beate Hüls und Christiane von Cornberg von evendon. EVENTS & MARKETING die Macherinnen der HandmadeART an einem Stand einer Ausstellerin für originelle Hundeartikel in Hofheim

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