Was das Riesenrad mit UNESCO-Kulturerbe zu tun hat

Hochheimer Markt steht beispielhaft für eine lebendige Tradition, die Generationen verbindet

Was haben ein Riesenrad, ein Karussell, eine Losbude und ein Gewürzstand mit Kulturerbe zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Volksfeste sind Teil einer lebendigen Kultur, die von Menschen getragen, von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu erlebt wird.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ kürzlich in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Und genau diese Kultur kann man beim Hochheimer Markt jedes Jahr hautnah erleben.

Vom 6. bis 10. November 2026 wird Hochheim am Main wieder zum Treffpunkt für Menschen aus der gesamten Region und darüber hinaus. Der Hochheimer Markt verbindet seit Jahrhunderten Marktgeschehen und Volksfest, Handel und Unterhaltung, Tradition und Moderne.

Dabei prägen nicht nur die Fahrgeschäfte das Bild. Schaustellerfamilien, Marktbeschicker, Händler, Gastronomen, Winzer, Vereine und zahlreiche weitere Menschen sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass die Tradition jedes Jahr aufs Neue lebendig wird.

„Der Hochheimer Markt ist gelebte Tradition. Und genau deshalb passt die Anerkennung der Schaustellerkultur als immaterielles Kulturerbe so gut zu unserem Markt“, sagt Thomas Pokoyski, Geschäftsführer der Hochheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH, die den Hochheimer Markt veranstaltet. „Was hier entsteht, kann man nicht einfach in ein Museum stellen. Der Markt lebt davon, dass Menschen ihn jedes Jahr aufbauen, gestalten, besuchen und ihre eigenen Erinnerungen damit verbinden.“

Immaterielles Kulturerbe umfasst lebendige Traditionen, Wissen, Fähigkeiten und Formen des gesellschaftlichen Miteinanders. Beim Hochheimer Markt zeigt sich dies in besonderer Weise: Schausteller geben ihr Wissen innerhalb ihrer Familien weiter. Auf- und Abbau, Technik, handwerkliche Fähigkeiten und der Betrieb von Fahrgeschäften gehören ebenso dazu wie die besondere Atmosphäre, die auf einem Volksfest entsteht.

Und dann sind da die Besucher. Kinder, Eltern und Großeltern erleben den Markt gemeinsam. Manche kommen zum ersten Mal, andere seit Jahrzehnten. Viele verbinden mit dem Hochheimer Markt persönliche Geschichten und Erinnerungen.

„Der Hochheimer Markt gehört für viele Menschen einfach zu Hochheim“, sagt Bürgermeister Westedt. „Man wächst mit ihm auf. Man besucht ihn als Kind mit den Eltern, später mit Freunden und irgendwann mit den eigenen Kindern und Enkeln. Diese Verbindung über Generationen hinweg ist etwas sehr Wertvolles.“

Der Hochheimer Markt ist weit mehr als ein Volksfest. Seine besondere Mischung aus Markt, Messe und Vergnügungsangeboten macht ihn zu einem festen Bestandteil der Stadtgeschichte und zu einem wichtigen Aushängeschild Hochheims.

„Der Hochheimer Markt ist ein prägender Teil unserer Stadtidentität und zugleich ein wichtiger Baustein unseres Stadtmarketings“, erklärt Westedt. „Er trägt den Namen Hochheim weit über die Stadtgrenzen hinaus und zieht jährlich Menschen aus der gesamten Region an. Traditionsfeste wie der Hochheimer Markt müssen deshalb erhalten bleiben.

Die damit verbundenen Herausforderungen und steigenden Kosten können nicht allein vom Veranstalter getragen werden. Die Stadt unterstützt den Markt daher auch finanziell, weil er wesentlich zur Attraktivität, Bekanntheit und Identität unserer Stadt beiträgt. Davon profitiert auch die lokale Wirtschaft – vom Einzelhandel über Bäckereien und Apotheken bis hin zu Gastronomie und Hotellerie. Die hohe Besucherzahl schafft zusätzliche Wertschöpfung vor Ort und stärkt den Wirtschaftsstandort Hochheim.“

Die UNSECO-Anerkennung der Schaustellerkultur lenkt den Blick auf genau diese Bedeutung. Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Der Hochheimer Markt selbst ist nicht als einzelner Eintrag in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Anerkannt wurde die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland – eine Kulturform, für die Volksfeste wie der Hochheimer Markt beispielhaft stehen.

Für den Veranstalter ist die UNESCO-Anerkennung Anlass, die kulturelle Bedeutung des Marktes stärker ins Bewusstsein zu rücken.

„Wir möchten den Hochheimer Markt nicht nur als großes Fest, sondern auch als Teil einer lebendigen Tradition sichtbar machen“, sagt Thomas Pokoyski. „Tradition lebt davon, dass sie sich weiterentwickelt. Der Hochheimer Markt muss jedes Jahr aufs Neue attraktiv sein. Gleichzeitig wollen wir das bewahren, was seinen unverwechselbaren Charakter ausmacht.“

Besonders sichtbar wird dies bei den Kindern: Sie erleben ihren ersten Markt, das erste Karussell oder die erste Fahrt mit dem Riesenrad – und kommen später mit den eigenen Kindern zurück. So wird aus einem Volksfest Erinnerung und aus Erinnerung Tradition.

„Wenn ein Kind heute auf dem Hochheimer Markt zum ersten Mal im Karussell sitzt und vielleicht 30 Jahre später mit seinem eigenen Kind wiederkommt, dann ist das für mich ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Kulturerbe funktioniert“, sagt Pokoyski.

Auch Bürgermeister Westedt sieht darin eine wichtige Aufgabe für die Zukunft: „Unser Anspruch muss sein, dass der Hochheimer Markt auch für die kommende Generation ein Ort bleibt, mit dem sie persönliche Erinnerungen verbinden. Dafür müssen wir Tradition bewahren und gleichzeitig offen für Neues bleiben.“

Wenn vom 6. bis 10. November 2026 wieder die Lichter des Hochheimer Marktes leuchten, wird deshalb nicht nur gefeiert und gehandelt. Es wird auch ein Stück lebendige deutsche Volksfestkultur sichtbar – eine Kultur, die nicht in Vitrinen steht, sondern von Menschen lebt und immer wieder neu erlebt wird.

Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Kulturerbe.