Fünf Stunden Marathon Sitzung

Jahreshauptversammlung und Zwischenbilanz der Bahndammsanierung in den Weinbergen

(hwv) Als „einmaliges Jahrhundertwerk für Generationen“ bezeichnete Franz Michel, Vorsitzender des Hochheimer Weinbauvereins, die notwendigen Baumaßnahmen zur Sanierung des Bahndamms quer durch die besten Weinberglagen, welche die betroffenen Anlieger mit Erschwernissen, Einschränkungen und Ernteausfälle erdulden müssen.

Andererseits sei die Öffnung der Durchfahrt unter dem Bahndamm nicht nur eine einmalige Chance für die Erreichbarkeit der wertvollen Weinberge entlang des Mainufers, sondern vor allem ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz dank der Verminderung der Umweltbelastung von alljährlich vielen tausend km überflüssiger Schlepperfahrten.

Daher hat Professor Dieter Hoffmann als neutraler vereidigter Sachverständiger, der das gesamte Projekt fachlich begleitet, in der Informationsveranstaltung eine umfassende Zwischenbilanz über den Stand der Arbeiten und deren Folgen für die Winzer gezogen.

Verzögerung der Bauarbeiten

Kritisch ist vor allem die zeitliche Verzögerung der Fertigstellung der Bauarbeiten und der Rückgabe der Flächen zur Wiederbepflanzung, die eigentlich vertragsgemäß am 18. Juni 2018 zugesagt war. Wegen notweniger Planungsänderungen, insbesondere aufgrund von unvorhergesehen geologischen Strukturen, wird sich der Termin nach Auskunft der DB-Netz AG voraussichtlich auf April 2019 verzögern. Bis dahin besteht für die Winzer keine Planungssicherheit für die Wiederbepflanzung und für die finanziellen sowie rechtlichen Folgen.

Auf der Zielgeraden bis zur Fertigstellung und Abwicklung sind mit der DB- Netz AG gemeinsam mit Fachbehörden und insbesondere mit der Stadtverwaltung als Eigentümer des öffentlichen Wegenetzes sowie mit den Baufirmen und vor allem mit den betroffenen Winzern ein langer Katalog mit vielen offenen fachlichen Fragen zu lösen: Hierzu zählen beispielsweise die Rückverlagerung der Kulturböden, Regelung der Pflegemaßnahmen auf dem Bahngelände angrenzend an die Weinberge, technische Absicherung der neuen Bahnunterführung, die Klärung der Wasserführung nach hydrologischen Untersuchungen, die zukünftige Nutzung der Baustraßen mit den Ausweichbuchten, die Weganschlüsse und Wasserführung entlang des Mainufers und am „Sandweg“ oberhalb der Bahn sowie die Weiterführung der fachgerechten Pflege des angrenzenden Naturschutzgebietes durch die zuständigen Fachbehörden. Als Folge der Baumaßnahmen ergeben sich vielfache Änderungen der Grundstücksgrenzen, die neu vermessen und nach notarieller Beurkundung in das Grundbuch eingetragen werden müssen.

Schließlich müssen die Entschädigungen für langjährige Ertragsausfälle sowie die finanziellen gegenseitigen Ansprüche wegen Eigentumsübergang ausgeglichen werden. Alles zusammen bleibt noch bis weit in das Jahr 2019 oder sogar länger ein großer Berg von Aufgaben zu bewältigen.

Jahreshauptversammlung des Hochheimer Weinbauvereins

Nach nur kurzer Pause wurde die Jahresmitgliederversammlung des Hochheimer Weinbauvereins mit einem Grußwort vom Ersten Stadtrat Hand Mohr für den Magistrat der Stadt eröffnet.

Weinprobierstand Stadtrat Mohr überbrachte die gute Nachricht aus dem Magistrat, daß nach Eintragung der rechtsfähigen „Betreibergemeinschaft Weinprobierstand Hochheim e.V.“ in das Vereinsregister die Voraussetzung für vertragliche Regelungen der Rechte und Pflichten für die Nutzung des Weinprobierstandes geschaffen seien. Aktuell sei damit die Finanzierung des Neubaus einer Behinderten-gerechten Toilettenanlage auf dem Weihergelände mit klaren Entgeltregeln für den Probierstand und für andere Veranstalter gesichert.

QbA muss weichen

Große Aufmerksamkeit galt den Neuigkeiten aus der großen Euro-Politik aus Brüssel mit weitreichenden Folgen auf Bundes- und Landesebene, vorgestellt von Peter Seyffardt, dem Präsidenten des Rheingauer Weinbauverbandes. Danach wird europaweit zukünftig anstelle des bisherigen deutschen Weinrechts mit den bekannten QbA und Prädikatweinstufen das französische Konzept der geographischen Herkunft als wichtigstes Qualitätsmerkmal herausgestellt, und zwar für die Stufenleiter „Weine ohne geschützte Herkunft“, „geschützte geographische Angaben – g.g.A“ und „geschützte Ursprungsbezeichnungen – G.U.“.

Keine staatliche Verantwortung für die Bezeichnungen mehr

Anstelle der staatlichen Behörden seien zukünftig die regionalen Berufsvertretungen eigenverantwortlich für die Festlegung und Überwachung der Anforderungen wie zulässige Rebsorten oder Höchsterträge zuständig. Dazu wird im Rheingau eine besondere „Schutzgemeinschaften“ mit eigener Satzung gebildet. Erwartungsgemäß gaben diese überraschenden Neuigkeiten Anlass zu lebhaften und kritischen Diskussionen aus der Mitte der Hochheimer Winzerschaft. Schließlich berichtet Präsident Seyffardt über die Initiativen des Verbandes zur Einführung der Bezeichnung „Rheingau Großes Gewächs“, um allen Winzern die Nutzung des inzwischen weithin bekannten Begriffes zu öffnen.

Unter der Versammlungsleitung von Gunter Künstler, berichteten anschließend die Vorstandsmitglieder aus der aktuellen Zusammenarbeit im kollegialen Team aus Ihren ehrenamtlichen Aufgabenbereichen: Martin Mitter bestätigt nach der Sitzung der Weinfestkommission nochmals die ausdrücklich Entscheidung des Magistrats, daß ungeachtet von Weltmeisterschaften der Termin für den Beginn des Weinfest auf das zweite Wochenende im Juli festgelegt sei. Die Standgebühren und die Regelung für Weinfestgläser bleiben unverändert. Ein neues Problem sei die Sicherung des Festgeländes gegen Terroranschläge mit Absperrungen; dies sei jedoch eine Aufgabe der staatlichen Sicherheitsorgane auf deren Kosten.

Bastian Petry als Koordinator konnte von der erfolgreichen alljährlichen Ausbringung der Pheromon-Kapseln zur umweltfreundlichen biologische Bekämpfung des Traubenwicklers, eines weit verbreitetes Schadinsekts, berichten. Wie in jedem Jahr trifft sich eine große fröhliche Schar freiwilliger Helfer, die in einem sportlichen Marsch durch die Weinberge von Kostheim bis zur östlichen Gemarkungsgrenze die Ampullen aushängen. Der Abschluss wird traditionell mit einem geselligen Umtrunk mit „Worscht, Weck und Woi“ gefeiert.

Der Hochheimer „Rebschutzwart“ Thorsten Dienst präsentierte anhand seiner regelmäßigen meteorologischen Messungen einen Rückblick auf ein von Wetter-Kapriolen gezeichnetes Winzerjahr und erinnert nachdrücklich an die im Turnus von drei Jahren fällige kostenpflichtige Prüfung der Pflanzenschutz-Geräte, ebenfalls eine wichtige Maßnahme zum Umweltschutz. Die zum Schutz der reifenden Ernte unverzichtbare Schadvogelabwehr von riesigen Schwärmen von vielen tausend gefräßigen Stare lag in der Verantwortung von Jefke Schäfer. Nach Aufklärung der Öffentlichkeit wurde der Einsatz der akustischen Geräte zur Vergrämung der Schadvögel durch gezielte Funk-Steuerung so rücksichtsvoll organsiert, daß keine größere Störungen zu beklagen waren.

Zwei Gemeinschaftsaktionen mit tatkräftigem Einsatz der Hochheimer Winzerschaft haben die Begegnungen mit zahlreichen Weinfreunden aus der Region gefördert: Johannes Wirschinger aus dem Organisationsteam des Weinerlebnisweges hat an die vielseitigen Angebote von Informationen und attraktiven Erlebnissen erinnert. Martin Mitter stellte das neue Konzept der regionalen Präsentation vor der Adventszeit auf zwei Ebenen in der historischen Kellerei auf dem Falkenberg unter dem Motto „Weinkultur pur“ vor, die nach Verkostung hochwertigen Produkten aus dem „Oberen Rheingau“ verlockende Gelegenheit zu Weihnachtseinkäufen boten.

Mit dankbarem Rückblick auf die stets verantwortungsvolle und kollegiale Zusammenarbeit im gesamten Vorstands-Team und mit Dank an den Gastgeber Uwe Diefenhardt konnte Gunter Künstler als Versammlungsleiter nach 5 Stunden konzentrierter Arbeit den Versammlungs- „Marathon“ schließen.

Beitragsbild: Sinus GmbH www.sinus.de

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