Katja Schmollack in Moskau: Stammzellentherapie

Katja Schmollack ist für Phase 2 ihres Kampfes gegen die MS seit über einer Woche in Moskau – wir berichteten . Wie mit Katja abgesprochen, hier eine Zusammenfassung ihrer Berichte zur ersten Moskauer Woche:

(ks) „Gestern und heute habe ich viel innegehalten und die letzten Wochen Revue passieren lassen. Es ist einfach großartig, was hier gerade passiert und unter wie vielen guten Sternen das alles steht. Ich fühle mich sooo glücklich!…“

Nach der Rasur

Rasieren und Fischen
„Morgen früh werden mir meine Haare abrasiert. Das ist okay, denn sie werden sowieso nach der Behandlung ausfallen. Es gehört für mich zum Prozess dazu, denn ich möchte mich rundum erneuern. Im Anschluss bekomme ich dann den Zentralen Venenkatether (ZVK) in die große Halsvene gelegt, der mir einen dicken Schlauch bis in die Vorhofkammer des Herzens schiebt. Dieser Zugang ermöglicht das Abfischen der Stammzellen. Habe ich von meiner Nadelangst erzählt? Ich denke, das morgen ist die „créme de la créme“ einer Nadel…“

Tapfer sein
„Tatsächlich ist dieser Moment derjenige, vor dem ich seit Entschluss zu dieser Behandlung am meisten Angst habe. Alles andere bekomme ich in den Griff – aber dieser ZVK versetzt mich in Angst, die ich nur schwer greifen und steuern kann. Glücklicherweise hat mein behandelnder Arzt, Doktor Federenko, mir die doppelte Menge lokale Anästhesie und die doppelte Dosis Beruhigungsmittel versprochen, damit werde ich mich dem ZVK dann mal tapfer stellen … versuchen, mich tapfer zu stellen.“

Herzensdanke und Frühlingsgrüsse
„…Ich schicke Euch liebe Grüße in den Frühling. Wenn ich zurückkomme, wird alles neu leben und erblühen. Das ist doch die richtige Energie, um sich vom Leben neu küssen zu lassen. Ich freue mich darauf!

Freude beschreibt es kaum. Ich möchte jedem einzelnen von euch von ganzem tiefen Herzen danken, dass ich hier sein darf, dass ich mich meinen Ängsten stellen darf, dass ich kämpfen darf!

Vielen, vielen Dank!! Es ist mein großes, tiefes HERZENSDANKE!! Für was könnte man dankbarer sein, als für die Chance, für sein Leben kämpfen zu dürfen? Und der Kampf hat begonnen. Mit dem Venenkatether stelle ich mich einer großen Angst – dabei werde ich Eure Segenswünsche, Eure guten Gedanken, Eure zuversichtlichen, anteilnehmenden Blicke, Eure motivierenden Worte und teilweise sehr offenen Gespräche, Eure herzlichen Umarmungen (davon bekam ich so viele!), ja einfach all diese unzähligen und so wertvollen Begegnungen in diesem Moment zur Hilfe nehmen!

Ich atme ein paar Mal diese Erinnerungen ein und stelle mich diesem Moment. Dafür vielen, vielen Dank!

Es ist so unfassbar viel Positives und Liebevolles auf mich eingebrochen. Ich habe das alles aufgesaugt und es begleitet mich hier in Moskau. HERZENSDANK!“

Katjas Zimmer – Hier wird sie sich auch – während sich ihr Immunsystem neu aufbaut – in der Isolation befinden.

Die Voruntersuchungen
„Die Untersuchungsergebnisse waren positiv. Ich bin kerngesund – außer der MS. Der Behandlung steht also nichts im Wege. Ich wurde nochmals über die Risiken aufgeklärt und es wurde mir gesagt, dass die MS nicht geheilt, sondern gestoppt wird. Es ist ein Stopp auf unbestimmte Zeit – vielleicht 1 Monat, vielleicht 1 Jahr, vielleicht 10 Jahre… vielleicht 20 Jahre. Und ja, es habe auch Patienten gegeben, deren MS gar nicht wieder zurückkam, dies seien jedoch nur sehr wenige gewesen.“

Schwarze Löcher in Hirn und Rückenmark
„Der Stopp ist das Ziel der Behandlung, eine Verbesserung der Symptome sind nicht selbstverständlich. Der Körper ist lediglich theoretisch, sowie auch nicht bei allen Läsionen, in der Lage zu regenerieren.

In meinem Gehirn habe ich 20 Läsionen, davon auch sogenannte „Black Holes“. Black Holes sind verkapselte Vernarbungen, deren Inneres hohl ist. Dies wird sich nicht mehr reparieren, es ist und bleibt ein Loch. Aber alle diese 20 Läsionen sind ohnehin älter, vermutlich habe ich sie damals vor 10 Jahren bekommen. Wirklich bemerkbar haben sie sich nicht gemacht bzw. nur kurzzeitig. Anders sieht es mit meinen zahlreichen kleineren Läsionen im Rückenmark der Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS) aus.

Besonders die Läsion der HWS könne Probleme machen. Sie sei nicht besonders breit, aber lang. Wenn sie an Volumen zunehme, könne sie unter anderem zum Tod führen, z.B. eine Art Schlaganfall verursachen. Tatsächlich ist es ganz genau die Läsion, die mir von Beginn an Probleme gemacht hat und die sich für mich, einfach intuitiv, noch nie unbedenklich angefühlt hat.

Ich denke, sie ist auch für meine Ausfälle und zunehmende Behinderung hauptverantwortlich. Aber diese Läsion gehöre zu denen, die sich theoretisch regenerieren könnte! Na, das gibt mir doch Mut!“

Personal Trainer für Phase 3
„In dem Moment, wenn die MS gestoppt ist, KANN der Körper sich erholen. Dies tut er aber nicht allein. Ich werde ganz gezielt und äußerst diszipliniert trainieren müssen. Aktuell suche ich bereits nach einem Personal Trainer oder einem Physiotherapeuten, der querdenkt, kreativ denkt, ambitioniert ist und mein Ziel mit ganzem Eifer zu seinem macht.

Ich weiss, dass der Stopp der MS nicht für immer, sondern für unbestimmte Zeit ist – ich möchte, dass die unbestimmte Zeit „für immer“ ist. Ich suche nicht nach Übungen, die meine Lebensqulität erhalten, mein Ziel ist es, die MS aus meinem Leben zu entlassen.

Ich möchte mich mit dieser Krankheit nicht arrangieren, ich möchte auch keine Kompromisse mit ihr eingehen. Und ich möchte schon gar nicht mein Leben nach der MS ausrichten.

Ich werde kämpfen wie eine Verrückte und mein Ziel ist es, zu gewinnen. Deshalb bin ich hier in Moskau. Ich versuche, das Bestmögliche zu erreichen. Und deshalb suche ich einen Trainer oder Therapeuten, der knallhart mit mir zusammen kämpft. Das wird die dritte Phase sein.“

„Stammzellensammler“

Dienstag war Fischtag
„Aber zurück zu Phase 2: Nachdem ich den Vertrag am Donnerstag unterzeichnet hatte, ging es am Freitag direkt mit der Mobilisierung der Stammzellen los. Morgens erhalte ich eine Kortison-Infusion. Am Abend um 23 Uhr sowie nachts um 3 Uhr geben sie mir eine G-CSF (Granulozytenkoloniestimulierender Faktor) Injektion, um die Stammzellen anzuregen, das Knochenmark zu verlassen und ins Blut überzugehen. Ziel ist es, dass diese dann am Dienstag aus dem Blut abgefischt und eingefroren werden, bevor das Immunsystem dann mittels der Chemotherapie komplett zerstört wird.

Behandlung hat begonnen

„Am Freitag, den 22.02.2019 hat meine Behandlung also begonnen. Nebenwirkungen merke ich bisher keine. Hin und wieder zieht es im Knochen, aber das könnte auch damit zusammen hängen, dass ich viel im Bett liege…

Und siehe da – überraschender Weise hat Dr. Federenko mir bereits mitgeteilt, dass meine Stammzellen sehr lebendig waren, dass wir genügend Stammzellen gesammelt haben, morgen keine erneute Kollektion notwendig ist uuuuund mir mein ZVK heute Abend gezogen werden wird… Und so geschah es!“

Katja Schmollack und Dr. Federenko

Achterbahn mit ZVK
„Also, das ist ja schon auch irgendwie eine Achterbahnfahrt. Jetzt hatte ich gestern all meinen Mut zusammen genommen (was nicht leicht war), mich meiner großen Angst tapfer gestellt und diese mit Bravour überwunden – ich hätte meinen „Stolz“ gerne noch einige Zeit länger spazieren getragen und da wird mir der ZVK heute tatsächlich schon wieder gezogen!!!

Angeblich, weil ich so positiv war, sodass es halt eben schneller lief als geplant, sagte Dr. Federenko. Hm ja, vielleicht auch, weil ich nur 3,6 l Blut habe, sage ich. Jedenfalls ist ein wenig Wehmut dabei. So eine große Angst, dessen Überwindung ich nur kurz genießen konnte!“

„Aber ist nicht sooo schlimm“, sagt Dr. Federenko: „Morgen früh bekommst du ja einen neuen ZVK!!!“ „Waaaaaaaas?? … Achterbahnfahrt“, sage ich Euch.

„Der neue ZVK wird kleiner sein und wesentlich komfortabler. Er dient dann der Chemotherapie und auch, um die Stammzellen wieder zurück zu führen. Dafür bedarf es den großen ZKV einfach nicht, der zusätzlich Infektionen verursachen könnte.

Also heißt es morgen früh wieder Zähne zusammen beißen bzw. entspannen.

Momente des Glücks und der Überforderung
„Ich bin ja ganz froh, dass alles so schnell verläuft. Andererseits bin ich aber auch überfordert. Die meiste Zeit bin ich glücklich, das ist meine Grundstimmung, die über und unter allem stabil ruht.

Aber es gibt auch Momente, in denen ich weine. Momente, in denen ich realisiere, wie schnell das nun alles ging und mit wie viel Eifer und Wohlwollen ihr mich hier her gebracht habt. Das überwältigt mich manchmal noch immer. Dann weine ich auch manchmal, wenn Freunde oder Bekannte von der baldigen und positiven Zukunft sprechen – hier merke ich dann, dass mir das zu schnell geht und ich in diesem jetzigen Moment ja noch nicht einmal richtig angekommen bin.

Ebenso bekomme ich aber auch Lachanfälle und werde von Situationskomiken überwältigt. Hier dreht mein Verstand eben auch manchmal mit mir durch und ich dreh einfach mit. Das sind die Nerven und ich denke, das ist sowas von normal. Ich lasse es einfach passieren, denn unterm Strich bin ich einfach nur sehr, sehr glücklich, kämpfen zu dürfen.

Die Chemo beginnt vermutlich morgen am 01.03.2019.
Ich halte euch auf dem Laufenden!

***

Ach so, ich wurde jetzt schon einige Male nach Schmerzen gefragt: Nein, ich habe keine. Ich hatte gestern ein wenig Knochenschmerzen, aber nicht der Rede wert. Ich habe mir dagegen etwas geben lassen und ich hab‘ mich gleich besser gefühlt. Ich bin ziemlich müde und erschöpft. – Abgesehen von den Stimmungsschwankungen ;), die ich aber auch ein klein wenig meiner Persönlichkeit zuschreiben könnte.

Oder eben den Gesamtumständen, da es nunmal wirklich eine Ausnahmesituation ist, die ich hier erlebe. Schmerzen oder beängstigende Ereignisse hatte ich bisher aber keine und auch bei den Mitpatienten nicht erlebt.

 

Mehr über die außergewöhnliche Katja Schmollack, Ihre Aktion(Phase 1) und jetzt die Stammzellentherapie in Moskau (Phase 2) auf www.katjas-chance.de

Alle Fotos: Katja Schmollack

 

Ein Gedanke zu „Katja Schmollack in Moskau: Stammzellentherapie

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