Finnek auf Entdeckungstour 2

von Helene Wilhelmine Hartmann

Eine Mäusegeschichte in drei Teilen – Teil 2


Kurzer Überblick
Finnek der Mäusebub kann die ganzen Warnungen über die Gefahren, die in der großen Welt auf ihn warten, nicht mehr hören. „Ja, ja, weiß ich längst. Ich bin doch schon groß.“ Dann findet er den geheimen Ausgang nach draußen in den Garten und ist auf sich allein gestellt. Schnell stellt sich heraus, dass er doch noch nicht so viel weiß. Mit etwas Dusel und großer Hilfe schafft er es noch glücklich nach Hause.

Während der Schelte seiner Mutter plant er schon das nächste Abenteuer. Er hat ja gerade den Garten erobert. In seinem Cousin Baro findet er den Kumpel, der sich mit ihm auf den Weg über die Wiese in den Wald macht.

Sie treffen auf viele neue Tiere, die sich häufig unerwartet verhalten. Diese kleinen Wendungen, die kontinuierliche Suche nach Essen und der Stolz eine „Gartenmaus“ zu sein, geben der Geschichte ein nettes Augenzwinkern. Schließlich machen die Abenteuer Finnek auch wirklich ein Stück größer. Als er dann wieder zurückgekehrt ist, weiß er das Zuhause besonders zu schätzen…


Teil 2 – Die großen Gartenmäuse

Finnek überlegte schon wieder, was er beim nächsten Ausflug machen wollte. Jetzt, da er den Weg kannte, fünf Netzlängen von der Mauerlücke nach rechts… Er war jetzt schließlich keine kleine Kellermaus mehr, sondern auch eine Gartenmaus.

Am nächsten Morgen, es war ein wunderschöner Spätsommertag, war er voller Tatendrang. „Bald kommt der Herbst, dann wird es stürmisch und kalt.“, dachte er sich, „Wie wäre es, wenn ich Onkel Carli besuchen würde, der hat doch auch einen Sohn, Baro mit dem roten Schopf, da kann man doch gemeinsam tolle Abenteuer erleben. Vielleicht im Wald… Einen Wald sehen, das wäre doch was Besonderes. Wer wohl im Wald wohnt? Gibt es dort auch andere Mäuse?“

Nach dem Frühstück ging Finnek in den Heizungskeller, wo Onkel Carli mit seiner Familie wohnte. Baro war sofort von Finnek’s Idee begeistert, schließlich war Finnek ja schon eine Gartenmaus und gemeinsam ging es in Richtung Wald. Der Weg über die Wiese war voller aufgehäufter Erdhügel.

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Ganz plötzlich kam ein behaartes, schwarz glänzendes Tier aus einem Loch im Erdhügel. „Wo wollt’s ihr denn scho hin?“, war seine Frage. „In den Wald“, antworteten die Mäusebuben, „Wir wollen einmal sehen, was es alles in einem Wald gibt!“

„Dann wünscht der Paul, des bin i, eusch fui Spass im Woid!“, meinte Paul und verschwand wieder in seinem Erdhügel. Nun waren sie schon ganz nah am Wald und betraten ihn langsam. Riesige Bäume ragten in den Himmel und der Wind bewegte ihre Blätter. Ein leiser singender Ton war zu hören.

Spitz(maus) pass auf

Weiter im Inneren des Waldes wurde es dunkler, weil viele große Bäume immer dichter aneinander standen. Plötzlich ohne jede Vorwarnung stand ein kleines, aber spitze Zähne zeigendes mausähnliches Tier im Weg. Es hatte ein komisches langgezogenes Gesicht und war sehr schmal und nur halb so groß wie Finnek. „Was wollt ihr hier?“, blaffte es unfreundlich, „Ich bin Bing, die Spitzmaus, ich bin hier der Waldbeauftragte und ich muss aufpassen, dass hier kein Gesindel Einzug hält.“

Die beiden Buben sagten ganz verschreckt, dass sie gerne mal einen richtigen Wald anschauen wollten, weil sie eigentlich Keller- und natürlich auch Gartenmäuse wären.„Ja“, meinte Bing ganz zufrieden, dass die beiden Mäuslein seine Wichtigkeit anerkannten, „hier kann man viel sehen und viel erleben. Aber wir sind hier nicht alleine. Wir müssen aufpassen. Die Waldkatze Murner, lauert überall und wir Mäuse werden gerne von ihr gefressen!“, dann schaute sich Bing nach links und rechts über seine Schultern und fuhr fort: „Wir haben aber unsere Verstecke, da kann keine Katze rein, weil sie viel zu dick ist. Diese Höhlen sind für jede Maus schnell zu erreichen und die Katze hat Pech gehabt! Ich habe alle Höhlen mit einem Pfeil auf dem Boden markiert. Nach einer Weile in der Höhle könnt ihr schauen, ob die Luft rein ist, wenn ja, dann könnt ihr weiter wandern, weil Murner nicht viel Geduld hat und woanders auf die Jagd gegangen ist.“

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Dann plusterte sich Bing wieder auf und erklärte: „Also auf den Weg achten, nicht die Pfeile auf dem Boden verwischen, kein Unfug machen, die Natur achten und etwas Schönes aus dem Wald als Erinnerung mitnehmen. Wie wäre es mit einem Tannenzapfen für die Mama?“ Die Cousins antworteten brav: „Das ist eine gute Idee. Wenn wir zurückgehen, werden wir daran denken. Vielen Dank für den Tipp!“, und verabschiedeten sich ganz freundlich: „Auf Wiedersehen, Herr Bing!“

Auf dem Waldweg

Sie gingen immer weiter und begegneten verschiedenen Tieren: welche, die den Weg entlang hoppelten, welche, die flogen und dabei ohrenbetäubend kreischten und ein großes Rotes mit langem buschigen Schwanz. Das Tier war so unfreundlich anzusehen, dass die Mäusebuben ihm lieber aus dem Weg gingen.

JMH

 

„Wir sind jetzt schon so weit gegangen, ich habe Hunger!“, sagte Baro. „Ich auch!“, antwortete Finnek, „aber wo sollen wir etwas Essbares finden?“. Von weitem konnte man eine Lichtung im Wald sehen, da ragten so kleine und große Köpfe heraus. „Pilze! Das sind Pilze!“, rief Baro, „von denen haben meine Eltern erzählt, die haben sie früher auf Ausflügen immer gegessen. Die schmecken gut. Aber die wachsen nur im Wald.“

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Schnell rannten sie auf die Lichtung und konnten nun die braunen Schirme der Pilze genau erkennen. Finnek war so hungrig, dass er gleich einen Pilz abriss und hinein biss. Baro aber wartete, was Finnek jetzt wohl sagen würde, kann man den Pilz essen, schmeckt er oder nicht? Finnek war begeistert und riss gleich noch ein Pilzköpfchen ab, um sich satt zu essen. Nun wagte sich auch Baro an die Pilze und musste feststellen, dass er schon lange nicht mehr so etwas Gutes gegessen hatte. Das müssen sie unbedingt zuhause erzählen.

Ende Teil 2

Link zu Teil 1 ist hier

Link zu Teil 3

 


Die Autorin
Helene Wilhelmine Hartmann ist 1921 in Süßwinkel in Schlesien geboren. Die fast 100-jährige ist 5-fache Mutter, 8-fache Großmutter und 6-fache Urgroßmutter. Schon ihr ganzes Leben liebt sie es, sich altersgerechte Kindergeschichten auszudenken und zu erzählen. Ihre Tierhelden sind alle liebenswert und in ihren Charakteren ganz schön menschlich. An den Geschichten rund um Finnek, den Mäusebuben schreibt sie immer mal wieder seit mehr als sechzig Jahren. Die Geschichten strotzen vor märchenhaften Begegnungen und kleinen Wendungen. Die Erzählweise ist augenzwinkernd. Meistens wird es ganz schön knapp für die Hauptfiguren, aber irgendwie schaffen sie es dann doch immer.

Die Illustratorin
Josephine Mayer-Hartmann aus Heidesheim am Rhein ist Mutter zweier erwachsener Söhne. Sie hat viele Jahre in Hamburg, meistens Altona verbracht und lebt derzeit in einem romantischen Fachwerkhaus auf der thüringischen Seite der Werra in der Nähe von Bad Hersfeld. Dort hat die Tierliebhaberin viel Platz und Muße für lange Spaziergänge mit Ihren Hunden. Häufig hat sie ihre Kamera dabei und mit dem Auge fürs Detail entstehen zauberhafte Makrofotografien der umgebenden Natur, die vielfach veröffentlicht sind. Die zarten Aquarelle zur Illustration der Finnek-Geschichten ist schon ihre zweite Arbeit für die Autorin.

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